In der Museumsscheune in Linn ging es um interessante Kleinfunde.

Funde von Pferdeskeletten und Geschirrteilen: Bei den Grabungsabenden in der Linner Museumsscheune gibt es immer wieder interessante geschichtliche Details zu sehen.  (Archiv
Funde von Pferdeskeletten und Geschirrteilen: Bei den Grabungsabenden in der Linner Museumsscheune gibt es immer wieder interessante geschichtliche Details zu sehen. (Archiv

Funde von Pferdeskeletten und Geschirrteilen: Bei den Grabungsabenden in der Linner Museumsscheune gibt es immer wieder interessante geschichtliche Details zu sehen. (Archiv

Lothar Strücken

Funde von Pferdeskeletten und Geschirrteilen: Bei den Grabungsabenden in der Linner Museumsscheune gibt es immer wieder interessante geschichtliche Details zu sehen. (Archiv

Krefeld. Runde 2000 Jahre Weltgeschichte blätterten die Archäologen des Museums Burg Linn beim jüngsten Grabungsabend in der Linner Museumsscheune auf. Das reichte von einem römischen Denar des Marc Anton, eines Zeitgenossen Caesars, bis zum Schlüssel einer Taschenuhr aus dem 19. Jahrhundert.

Die Münze hatte wohl ein römischer Reiter bei einem Angriff auf das durch die Bataver eroberte Feldlager von Gellep im Jahre 69 verloren. Der Schlüssel der Uhr muss einem frühen Ausgräber beim Betrachten eines Grabfunds aus der Tasche gerutscht sein.

Im wieder einmal bis auf den letzten Platz gefüllten Saal zählte Museumschef Christoph Reichmann weitere Kleinfunde auf, auf die man im größten römisch-fränkischen Gräberfeld diesseits der Alpen stieß: konstantinische Münzen mit (noch) heidnischen und schon christlichen Symbolen, eine kleine Silbermünze aus der Zeit des ostgotischen Theoderich, zwei Kölner Pfennige oder auch eine französische Münze aus der Zeit der Franzosenherrschaft aus dem Jahre 1794.

Das Gräberfeld und dessen überaus wertvolle Fundstätten waren offenbar über viele Jahrhunderte weithin bekannt und immer wieder Ziel von "Raubgräbern". Bemerkenswert auch die vielen Streufunde von Pferdegeschirrteilen.

Über 200 dieser "Klapperbleche", mit denen die Römer ihre Feinde verschrecken wollten, kamen auf jenem Schlachtfeld zum Vorschein. Bei den Germanen scheint das aber nur wenig genutzt haben. Die pflegten - sicherlich effektiver - mit viel Gebrüll in die Schlacht zu ziehen.

Mit einiger Sicherheit scheint Christoph Reichmann im Bereich des Gräberfeldes an der Latumer Straße, südlich des einstigen Auxiliarkastells, eine Art "Celle Memoriae" ausgemacht zu haben. "Spolien", steinerne Reste der Bebauung, Teile von Bemalungen, sind aufgetaucht, und im Gefüge der Grabanlagen lässt sich ein Quadrat fassen.

War die Cella vielleicht christlichen Ursprungs? Die Gräber sind zumeist beigabenlos. Und Reichmann stellte Vergleiche mit ähnlichen Cellae am Bonner Münster und unterm Xantener Dom an. Zumindest ist das Gräberfeld in diesem Bereich bis in die Mitte des siebten Jahrhunderts belegt.

Die Archäologin Margareta Siepen, die derzeit am Bonner Landesmuseum tätig ist, verglich die Metallfunde, speziell die Fibelformen, mit Befunden auch anderen Orten und stellte so eine Art Mode-Kanon vor. Dabei wurde deutlich, dass die Fibeln, aber auch die Gürtelschnallen und Riemenzungen einer immer schnelleren Abfolge von Modetrends unterworfen waren.

Ein Bericht von Patrick Jülich über Bauformen anhand eines Säulenschaftes an Alt-St. Margareta in Linn und ein Referat von Christoph Dautermann über ein um 1650 erbautes Bauernhaus an der Oppumer Hauptstraße rundeten diesen Abend ab.

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