Das Team um Intendant Michael Grosse stellt den Spielplan für 2012/13 vor. Die Mischung klingt vielversprechend.

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Stutte, Matthias, Bild 1 von 3

Krefeld. Über die Besetzung wird eigentlich noch nicht geredet, wenn das Theater seinen Spielplan vorstellt. Schließlich haben die Schauspieler, Sänger und Tänzer selbst erst am gleichen Tag erfahren, welche Stücke in der nächsten Saison anstehen. Das Rätseln und Bangen, das Hoffen auf die große Rolle beginnt in diesem Moment.

„Mit ,King Lear’ rollen wir Joachim Henschke den ganz großen Teppich aus.“
Matthias Gehrt, Schauspieldirektor

Doch in einem Punkt war die Sache klar: Wenn „König Lear“ aufgeführt wird, Shakespeares unvergängliches Drama um den Niedergang eines greisen Herrschers, dann kann die Titelrolle nur Joachim Henschke gehören. „Das wird unser Tribut an ihn“, erklärt Schauspieldirektor Matthias Gehrt, der auch Regie führen wird. „Wir wollen einem wunderbaren Schauspieler den ganz großen Teppich ausrollen.“ Auf diesen Moment muss das Publikum bis April 2013 warten.

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Eröffnet wird die Spielzeit am 22. September mit Tschaikowskis Oper „Mazeppa“, aufgeführt im russischen Original. Operndirektor Andreas Wendholz hat wie gewohnt viele Werke ins Programm genommen, die noch nie in Krefeld zu sehen waren. Auch eine Uraufführung ist darunter: „Josefine“ nach Franz Kafka, vom Komponisten Sagardia, Jahrgang 1978. Wesentlich älter, 200 Jahre nämlich, wird Richard Wagner, von dem ebenfalls ein weniger bekanntes Werk erklingt: „Rienzi“.

Im Ballett holt Chefchoreograf Robert North den Abend „Kontraste & Rhythmen“ nach Krefeld, ein Wechselbad mit Klassik, Jazz und Weltmusik. Auch „Carmen“ bringt er auf die Bühne, allerdings nicht von Bizet, sondern mit neuer Musik von Christopher Benstead. Mit Pianist André Parfenov arbeitet er zudem an einem Ballett über das Flugzeugunglück von Überlingen im Jahr 2002, bei dem 52 Kinder aus Parfenovs russischer Heimatstadt Ufa starben. „Überlingen 23:26“ kommt allerdings erst 2013/14 nach Krefeld.

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Matthias Stutte, Bild 1 von 3

Im Schauspiel setzt Matthias Gehrt neben den Großproduktionen wie Molières „Menschenfeind“ oder Oscar Wildes „Bunbury“ vor allem auf die Studiobühne in Heeder. „Es gibt hier ein Publikum, das sich für sperrige Stoffe interessiert.“ Für diese Zuschauer hat er Elfriede Jelineks „Wolken. Heim.“, die Uraufführung „Blueglass“ von Schauspieler Daniel Minetti, die Reihe Außereuropäisches Theater (diesmal mit Mexiko) oder Becketts „Glückliche Tage“ im Programm – mit Intendant Michael Grosse als schnarchenden Ehemann.

Peter Tschaikowski: „Mazeppa“ (22. September), Oscar Straus: „Die lustigen Nibelungen“ (21. Oktober), Sagardia: „Josefine“ (17. November), Franz Léhar: „Land des Lächelns“ (8. Dezember), Georg Kreisler: „Heute Abend: Lola Blau“ (12. Januar 2013), Wolfgang Amadeus Mozart: „Die Hochzeit des Figaro“ (2. Februar), Richard Wagner: „Rienzi“ (9. März).
 

Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller, Heinrich Heine, Ludwig Uhland: „Die Macht des Gesanges“ (20. September), Roland Schimmelpfennig: „Der goldene Drache“ (29. September), Oscar Wilde: „Bunbury – The Importance of Being Earnest“ (27. Oktober), Astrid Lindgren: „Ronja Räubertochter“ (4. November), Chris Wilson, Daniel Minetti: „Blueglass“ (14. November), Ingrid Lausund: „Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner“ (9. Februar 2013), Jorge Angeles: Mexiko-Projekt (21. März), William Shakespeare: „König Lear“ (13. April), Samuel Beckett: „Glückliche Tage“ (    14. April), Molière: „Der Menschenfeind“ (15. Juni), Elfriede Jelinek: „Wolken. Heim.“ (19. Juni).
 

Robert North: „Kontraste & Rhythmen“ (12. Oktober), Robert North, Christopher Benstead: „Carmen“ (4. Mai 2013).
 

„Varieté der Empörung“ (ohne Termin), Charles Dickens: „Oliver!“ (11. Juli 2013)
 

„Ein Hochstapler erzählt“ (26. Oktober), „König Ödipus“ (15. Dezember), „The Rocky Horror Show“ (31. Dezember), „Die Comedian Harmonists“ (22. Januar 2013), „Blues Brothers – Unterwegs im Auftrag des Herrn!“ (22. Mai).

Grosse sieht den neuen Spielplan als Versuch, „unsere Linien mit scharfen Konturen weiter zu zeichnen“. Die Mixtur aus Konvention und Innovation ist ebenso darin abzulesen wie das klare Bekenntnis zum Ensembletheater: Henschke ist wichtig – aber alle anderen sind es eben auch.

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