In der Fabrik Heeder scheitert das Oratorische Szenario „Zilverstad“ am eigenen Anspruch.

Krefeld. "Vieles steht nebeneinander und verbindet sich doch", so heißt es im Programm zu Miro Dobrowolnys oratorischem Szenario "Zilverstad", das knapp eine Woche nach seiner Aufführung bei der Musikbiennale in Zagreb nun auch im Kreschtheater, also in der Fabrik Heeder, zu sehen war. Viele künstlerische Formen stehen da in der Tat nebeneinander und stehen sich dabei leider auch im Weg. Das multimediale Werk scheitert unter anderem am schlecht ausbalancierten Zusammenwirken seiner Teile.

Es geht um das Massaker von Srebrenica, dem 1995 8000 Menschen zum Opfer fielen. Einheiten des serbischen Generals Ratko Mladi verübten das Verbrechen, die Rolle der vor Ort anwesenden UNO-Schutztruppen ist bis heute umstritten. Texte von Dobrowolny, Helmut Wenderoth, dem künstlerischen Leiter des Kresch, der auch als Darsteller mitwirkt, dokumentarische und lyrische Texte kreisen das Ereignis multiperspektivisch ein, ohne sich gegenseitig zu neuen Erkenntnissen zu befruchten.

Dobrowolnys Musik für ein Kammermusiksextett - das Art Ensemble NRW - bedient sich einerseits der klassische Funktionalität verweigernden Sprache der Neuen Musik, andererseits wird sie doch überwiegend funktional eingesetzt. Sie illustriert, schafft Atmosphären, ohne aufhorchen zu lassen. Akzente setzt lediglich Tenor Wolfram Wittekind mit seinen souverän dargebotenen Gesangspassagen.

Als Erzähler tritt die fiktive Figur des Ahmo auf, der gleich dreierlei sein muss: Metzger, Tanzlehrer und Motorradfahrer. Man fragt sich, warum, erhält darauf aber keine Antwort. Seine Darstellung teilen sich Wittekind, Wenderoth und dann auch noch der Tänzer Frieder Mann. Die Aktionen des Letzteren bleiben mit allem anderen völlig unverbunden und könnten genauso gut nicht stattfinden.

Wenderoth fällt seinen englischen Texten überwiegend selbst ins Wort, weil er stimmlich, gestisch und mimisch fast nichts unkommentiert lässt. So bleibt der gesprochene Text so überraschungsfrei wie die gesamte Aufführung, die ihrem selbst gestelltem Anspruch durch vorauseilende Gestaltung im Endeffekt hinterherhinkt.

Ein überwiegend unbeschäftigter zwölfköpfiger Chor bevölkert auch noch die Bühne, über den Köpfen aller werden dokumentarische mit live aufgenommenen Videobildern vermischt. Doch auch das führt nur formal zu einer Durchdringung von Historie und Kunst, letztere weiß in "Zilverstad" ersterer einfach nichts abzugewinnen, was man nicht schon wüsste.

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