Das Theater am Marienplatz zeigt ab morgen Mauricio Kagels „Acustica“.

Das wollte er sich doch wenigstens mal anschauen. Als das Kölner Ensemble für Neue Musik 1971 Mauricio Kagels „Acustica – für experimentelle Klangerzeuger“ in der Berliner Philharmonie probte, kam der große Dirigent Herbert von Karajan vorbei, um sich „manches erklären zu lassen“, wie Kagel in einem Brief schreibt. Karajan muss wohl sehr skeptisch dreingeschaut haben. Das Fischelner Theater am Marienplatz (Tam) zeigt Kagels Werk „Acustica“ im Rahmen seiner Kagel-Retrospektive ab morgen.

Was bekam Karajan an Instrumenten, nach Kagels Verständnis: experimentellen Klangerzeugern, zu sehen? Unter anderem: Schwirrvögel, durchlöcherte Kartenröhren, Holzpantinen, Querstromlüfter, Büroklammern, Plastikkämme und so weiter.

„Wofür das alles? Sind das nicht bloß Gerätschaften?“ Diese abschätzigen Gedanken unterstellt Kagel dem großen Orchesterlenker Karajan. Für Kagel und selbstverständlich auch für Tam-Hausherr Pit Therre kann jedoch (fast) alles Instrument sein und fast jeder Klang Musik.

Da Kagels Werk ein großes Instrumentarium verlangt, bis zu 70 Gegenstände werden benutzt, wird im Tam ein sechsköpfiges Ensemble die Kagelsche Klangerforschung in Szene setzen. Archaische naturnahe Klänge mischen sich mit neuzeitlichen Maschinengeräuschen. kMs

» „Acustica“ von Mauricio Kagel. Premiere morgen, 22 Uhr. Weitere Termine: jeweils Freitag, 8., 15. und 22. Dezember, jeweils 22 Uhr

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