„Der Ring an 1 Abend“ von Loriot – nicht nur Jens Pesel begeistert das Publikum im Theater.

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Der ehemalige Generalintendant Jens Pesel überzeugt in der Rolle des Loriot-Sprechers.

Der ehemalige Generalintendant Jens Pesel überzeugt in der Rolle des Loriot-Sprechers.

Matthias Stutte

Der ehemalige Generalintendant Jens Pesel überzeugt in der Rolle des Loriot-Sprechers.

Krefeld. Richard Wagners Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“ flößt mit seinem gewaltigen Umfang und komplexen Handlungsverlauf selbst Opernkennern großen Respekt ein. Erfreulicherweise hat vor einigen Jahren der berühmte Humorist und Schriftsteller Vicco von Bülow alias Loriot eine auf drei Stunden gekürzte Version erstellt, die sich als ideale Einstiegsmöglichkeit in das Monumentalwerk erweist.

Aus ausgewählten Musikpassagen und eigenen Texten hat der Opernkenner und Meister des feinsinnigen Humors ein Stück geschaffen, bei dem sowohl Wagnerianer als auch Neulinge auf ihre Kosten kommen. Von Loriot persönlich autorisiert, hat „Der Ring an 1 Abend“ jetzt im Krefelder Theater seine umjubelte Premiere erlebt.

Der ironische, aber noble Ton bleibt immer gewahrt

In die Loriot-Rolle des Sprechers ist der ehemalige Generalintendant Jens Pesel geschlüpft, zu Beginn nimmt er auf dem berühmten Sofa Platz. Ohne den Grandseigneur des Humors zu imitieren, aber mit ähnlich trockenem Understatement trägt Pesel die mit Pointen gespickten Texte vor. Fast jeder Satz wäre zitatwürdig, da Loriot die verworrene Geschichte um Götter, Helden und Bösewichter auf ein allgemein menschliches Niveau herunterholt. Dabei gleitet er nie in die Persiflage ab, sondern bewahrt einen zwar sehr ironischen, aber dennoch noblen Ton.

So heißt es zu Beginn, dass die Täter des Musikdramas doch eigentlich ganz nette Leute seien, denen nur ihr Gewinnstreben zum Verhängnis werde. Loriots Texte sind die spritzige Zutat zum Hauptgericht des Abends, der Musik Wagners. Die Niederrheinischen Sinfoniker spielen unter ihrem Generalmusikdirektor Graham Jackson mit großer Intensität. Berühmte Passagen wie den Feuerzauber oder den Trauermarsch interpretieren sie eindrucksvoll.

Die Sänger und Sängerinnen treten in Frack und schwarzen Abendkleidern auf. Was die elf Solisten leisten, ist einfach grandios. Allen voran Erin Caves, der als Gast die Partien von Siegmund und Siegfried mit glanzvoller Stimme scheinbar mühelos bewältigt. Dara Hobbs ist ihm als Brünnhilde eine ebenbürtige Partnerin, ihre Todverkündung in der „Walküre“ gehört zu den ergreifendsten Szenen des Abends.

Michael Kupfer beeindruckt mit seinem wunderbaren Timbre als Wotan besonders in der Abschiedsszene. Kerstin Brix verleiht den so unterschiedlichen Rollen der Fricka und Waltraute ein intensives Profil.

Ebenso Janet Bartolova als Sieglinde und Gutrune. Als stimmgewaltige Bösewichter beeindrucken Hayk Dèinyan (Alberich), Matthias Wippich (Hagen) und Walter Planté, der als Mime eine herrliche Charakterdarstellung zeigt. Debra Hays, Isabelle Razawi und Eva Maria Günschmann sind drei klangschöne Rheintöchter.

Über diese formuliert Loriot: Wären sie zu Alberich etwas entgegenkommender gewesen, hätte man sich drei weitere aufwendige Opern sparen können. Dann würde es allerdings auch nicht diesen wundervollen Abend geben.

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