Die Profis Andy Pilger und Roland Peil zeigen in einem Workshop, wie man Taktgefühl entwickelt.

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Andy Pilger am Schlagzeug: „Let’s go! Ihr erzählt eine Geschichte.“

Andy Pilger am Schlagzeug: „Let’s go! Ihr erzählt eine Geschichte.“

Percussionist Roland Peil hat mit bekannten Musikern wie Peter Maffay oder den Fanta 4 gearbeitet.

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Andy Pilger am Schlagzeug: „Let’s go! Ihr erzählt eine Geschichte.“

Krefeld. Man stelle sich eine weiße Leinwand vor und unzählige Töpfe bunter Farbe. Es gilt, die Leere zu füllen, ganz so wie es kommt: mit markantem Muster oder uni, mit scharfen oder weichen Konturen. Nun ersetze man im Geiste die Farbe durch Musik, genauer gesagt, durch Rhythmen.

"Painting with rhythm, Malen mit Rhythmus - das ist es, was wir heute vermitteln wollen", erklärt der Musiker Andy Pilger beim Workshop "Groove-Konzepte" an der Musikschule Rhythm Matters. Der Name ist Programm. "Let’s go! Ihr erzählt eine Geschichte. Ganz ohne Noten und festes Konzept", sagt Pilger.

Der Shaker hat Ähnlichkeit mit einem Süßstoffspender

Er schwingt die Stöcke und beginnt mit einem immer gleichen Rhythmus. So richtig gut wird es, als Percussion-Experte Roland Peil einsetzt. Mit Kongas, Tamburin und Kuhglocke demonstriert er, wie Schlagzeug noch lebendiger klingen kann. Was er nicht alles im Programm hat: Da ist die Kaxixi, eine kleine Korbrassel, die aussieht wie eine halbe Kokosnuss mit einem gezwirbelten Draht. Die Geräusche aus dem Hohlkörper scheinen von Körnern zu kommen. Dann gibt es einen Shaker, der Ähnlichkeit mit einem Süßstoffspender hat.

Roland Peil untermalt den Rhythmus, überstreicht ihn, beschleunigt mit "double time": Das Tempo für den Percussionisten wird doppelt so schnell, während der Schlagzeuger im gleichen Takt weiter spielt. Spätestens jetzt wird klar: Hier machen zwei hochkarätige Profis hörbar, wie der Groove entsteht. Pilger spielt seit mehr als 20 Jahren beim Musical "Starlight Express", Peil hat mit Musikern wie Peter Maffay und den Fanta 4 gearbeitet.

Obwohl die beiden sich bereits vor mehr als 20 Jahren bei "Jugend musiziert" kennen gelernt haben, hat der Workshop sie nun erstmals musikalisch zusammengebracht. Er ist Teil der Aktionstage zum 15-jährigen Bestehen von Rhythm Matters.

Generell arbeitet man bei Rhythm Matters mit Dozenten, die aus der Praxis kommen. Am Zahn der Zeit lässt sich zeitgenössische Musik am Besten vermitteln. Die Gründer Michael Mertens und Max Zelzner sind überzeugt vom Konzept der modernen Musikschule.

Begonnen hat die Musikschule vor 15 Jahren mit zwei Räumen. Heute hat sie 500 Schüler und 45 Dozenten. Seit Montag sitzt sie im neuen Domizil: 17 modern eingerichtete Unterrichtsräume auf über 800 Quadratmetern bietet das Gebäude am Grüner Dyk.

Beim kurzweiligen Ausflug in die Welt der Beats erklären Pilger und Peil den fast ausschließlich männlichen Teilnehmern alles, was sie schon immer wissen wollten. Wie man Akzente setzt durch härtere Bewegungen der Percussion-Instrumente, wie man runde Schlenker mit dem Shaker macht, dass es auch eckige Versionen des Rhythmusgerätes gibt. "Unakzentuiertes Untermalen erreicht man durchs Hin- und Herschieben", sagt Roland Peil und demonstriert, wie das klingt.

Langsam wird klar: Den Rhythmus malen kann man tatsächlich. Vorausgesetzt, man beherrscht sein Handwerk.

Weitere Workshops heute, am Abend um 21 Uhr gibt es noch eine Jam Session im Jazzkeller mit Andy Pilger und Bassist Stefan Rademacher.

 

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