Neun Aufträge der Seidenfabrikanten erhielt der Architekt zwischen 1927 und 1938 – Zeugnisse einer wunderbaren Verbindung.

Hermann Lange, Erbauer des Hauses Lange, gilt als zentrale Figur in der Zusammenarbeit zwischen Mies und der Krefelder Seidenindustrie. Archiv
Hermann Lange, Erbauer des Hauses Lange, gilt als zentrale Figur in der Zusammenarbeit zwischen Mies und der Krefelder Seidenindustrie. Archiv

Hermann Lange, Erbauer des Hauses Lange, gilt als zentrale Figur in der Zusammenarbeit zwischen Mies und der Krefelder Seidenindustrie. Archiv

qatsi.tv

Hermann Lange, Erbauer des Hauses Lange, gilt als zentrale Figur in der Zusammenarbeit zwischen Mies und der Krefelder Seidenindustrie. Archiv

Krefeld. Ludwig Mies van der Rohe sprach von seinen „Krefelder Freunden“, wenn er auf die Zeit von 1927 bis 1938 zurückblickte. Neun Aufträge aus der Seidenstadt beschäftigten ihn in diesen Jahren, eine seltene Häufung. Dass heute drei von acht in Europa erhaltenen Mies-Bauten in Krefeld stehen, ist kein Zufall.

Die zentrale Figur auf Krefelder Seite ist Seidenfabrikant Hermann Lange. Nur einmal trat er unmittelbar als Auftraggeber in Erscheinung, bei seinem Wohnhaus, dem heutigen Museum Haus Lange. Auf seiner ersten Reise nach Krefeld im Juni 1927 traf Mies hingegen auf Erich Raemisch, Geschäftsführer des in Krefeld residierenden Vereins deutscher Seidenwebereien. Der Verband, in dessen Vorstand Lange saß, gab einen Ausstellungsstand in Auftrag, mit dem er sich bei der Berliner Messe „Die Mode der Dame“ präsentieren wollte. Mies entwarf zusammen mit der Innenarchitektin Lilly Reich das Café „Samt & Seide“, eine „Rauminstallation“.

Mies entwarf Messestände und Privatwohnungen

Auch den zweiten Auftrag erhielt Mies vom Verein deutscher Seidenwebereien. Für die Weltausstellung in Barcelona 1929 gestaltete der Architekt wieder gemeinsam mit Reich die Ausstellung „Deutsche Seide“. Die Häuser für Hermann Lange und seinen Freund und Kollegen Josef Esters entwarf Mies parallel zu den Messeaufträgen.

Das Ehepaar Mildred und Carl Crous – Mildred ist Langes älteste Tochter – beauftragte Mies und Reich mit der Einrichtung ihrer Wohnung in Berlin. Dieser Auftrag wurde 1930 ausgeführt.

Im gleichen Jahr lud der Krefelder Golfclub zwei Architekten zu einem Wettbewerb ein. Sie sollten das Clubhaus für den Verein auf dem Egelsberg entwerfen. August Biebricher und Mies lieferten sehr gegensätzliche Entwürfe ab. Gebaut wurde dann nicht, die Wirtschaftskrise ließ das nicht zu. Wie der Mies-Entwurf hätte aussehen können, kann man derzeit anhand des Modells betrachten, das auf dem Egelsberg installiert ist.

Zwei Bauvorhaben wurden nicht mehr realisiert

Ludwig Mies van der Rohe hat in Krefeld drei Gebäude hinterlassen. Aktuell erinnert ein begehbares Modell auf dem Egelsberg an den Architekten.

In neun Teilen stellt die Serie Aspekte seines Werkes dar. Heute: Mies und die Krefelder Seidenfabrikanten.

Eine Besonderheit im Werk von Mies stellen die Färberei- und Herrenfutterstoffe-Gebäude der Vereinigten Seidenwebereien (Verseidag) dar, deren Geschäftsführer Lange und Esters waren. Der von 1930 bis 1931 errichtete und 1935 erweiterte Komplex ist der einzige Industriebau von Mies und sein letztes Projekt vor seiner Auswanderung in die USA im Jahr 1938.

Zwei weitere Bauvorhaben in Krefeld, für die Mies plante, wurden nicht mehr realisiert: ein Haus für Hermann Langes Sohn Ulrich Lange (1934-35) und ein Büro- und Versandgebäude für die Verseidag (1937-1938).

Christiane Lange, Urenkelin Hermann Langes bezeichnet die Gruppe der „Krefelder Freunde“ von Mies als „industriell-kulturelles Netzwerk“. Der Verein deutscher Seidenwebereien, die Verseidag, der Krefelder Golfclub und private Auftraggeber gehören dazu. Hermann Lange ist eine zentrale Figur dieses Netzwerks, doch die Vielzahl der Aufträge aus Krefeld ist nicht auf ihn allein zurückzuführen.

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