Max Raabe begeistert mit seinem Palastorchester im ausverkauften Seidenweberhaus.

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Max Raabe sang in einem ausverkauften Seidenweberhaus.

Max Raabe sang in einem ausverkauften Seidenweberhaus.

Dirk Jochmann

Max Raabe sang in einem ausverkauften Seidenweberhaus.

Krefeld. Eine wunderschöne Italienierin mit dem sprechenden Namen Cecilia, elf äußerst vielseitige Musiker und Max Raabe verzauberten das Seidenweberhaus in ein swingendes Tanzlokal der 20er und 30er Jahre.

Vom ausverkauften Haus bekamen Max Raabe und sein Palastorchester einen riesigen Applaus. "Heute nacht oder nie" lautet der Titel ihres Tournee-Programms, und zum Auftakt swingen sie ganz im Stil jener Zeit.

Ihre Haare tragen sie nach hinten frisiert, im Smoking und Frack präsentiert das Ensemble kunstvoll die schöne Seite jener Zeit. Mal eine Rumba - "mit fremdländischem Text" - oder ein Tango - der sich an Verdi anlehnt - sind die etwas exotischen Lieder, dazwischen die bekannten deutschen oder englischen Lieder.

Der Bariton Raabe singt und spricht sein Deutsch mit rollendem R oder englisch wie einst Gene Kelly "Singing in the rain". Dafür stellt der blonde Raabe sich erst ganz gelassen und kühl an den Flügel, tritt dann an das Mikro und singt auch mit sehr hoher Stimme. Zu einzelnen Liedern gibt er kurze lakonische Kommentar ab, als hätte Erich Kästner sie für ihn geschrieben.

Seine Präsentation nimmt viele Elemente jener vergangenen Zeit auf, aber auf alles Manierierte verzichtet er. Und immer swingt das Publikum mit, ertappt sich auch schon mal beim Mitsummen und wünscht sich heimlich, in einem Tanzlokal aufzuwachen und selber zu dieser wunderbaren Musik zu tanzen.

"Ich küsse Ihre Hand, Madame" und "Bei mir biste scheen" oder "These foolish things" seien nur stellvertretend für diese beschwingten Songs der Zwischenkriegszeit genannt. Bei einem Lied lassen die Musiker einen Zeppelin durch den Saal schweben, da bekommt sogar der 70er Jahre Beton des Seidenweberhauses etwas Zauberhaftes. Das ist aber neben Musik, Stimme und Licht der einzige technische Trick. Sonst überzeugt Max Raabe mit seinem Palastorchester durch den Vortrag.

Beeindruckend, wie viele Instrumente die Musiker beherrschen. Klarinette, Saxophon und Violine zum Beispiel können die vier aus der ersten Reihe.

Drei Zugaben erklatschte sich das Publikum, natürlich auch den frechen "Kleinen grünen Kaktus". Bei der dritten, einem Abschiedslied, zeigten die Musiker, dass sie auch singen können. Ein wunderbarer Abend.

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