Markus Karstieß gibt dem alten Material Ton eine ganz neue Form.

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Markus Karstieß inmitten einer seiner Installationen, die derzeit im Krefelder Kunstverein zu sehen sind.

Markus Karstieß inmitten einer seiner Installationen, die derzeit im Krefelder Kunstverein zu sehen sind.

Dirk Jochmann

Markus Karstieß inmitten einer seiner Installationen, die derzeit im Krefelder Kunstverein zu sehen sind.

Krefeld. Unterschiedlich große Barren und seltsam verformte Dinge, deren Oberfläche metallisch glänzt, liegen auf dem Boden des Krefelder Kunstvereins verstreut. In einer eigenartigen Mischung aus Ordnung und Chaos sind ungefähr hundert kleine Objekte neben- und übereinander geschichtet, ein Trümmerfeld mit System.

„Seltene Erden“ heißt diese raumbezogene Installation, die der Düsseldorfer Künstler Markus Karstieß speziell für diese Ausstellung, die heute (19 Uhr) eröffnet wird, geschaffen hat.

Man glaubt Elemente aus Metall oder Stein zu sehen, doch Karstieß bevorzugt mit Ton einen ganz anderen Werkstoff. „Er gehört zur jungen Generation, die sich vor diesem Stoff nicht fürchtet“, sagt Kurator Thomas Janzen von den Krefelder Kunstmuseen, dem mit dieser Schau etwas Besonderes gelungen ist.

Der Künstler nutzt die alte japanische Raku-Technik für seine Objekte

Ton wird oft als kunsthandwerkliches Material belächelt und hat mit Klischees zu kämpfen. Doch seit bekannte Künstler wie Thomas Schütte diesen uralten Werkstoff für sich entdeckt haben, zieht er zunehmend die Aufmerksamkeit auf sich.

„Das Material ist reich“, sagt der Künstler, der für das Brennen seiner Objekte die alte japanische Raku-Technik entdeckt hat. Dabei wird beim zweiten Brand die Keramik bei 900 Grad aus dem Ofen geholt und schnell heruntergekühlt. Es entstehen Effektglasuren, die unglaublich lebendig wirken.

„Spiegel“ heißt eine ganze Werkgruppe, die im Obergeschoss zu sehen ist. Die Keramikteile erinnern an Bilder, deren Oberflächen in unterschiedlichen Farbschattierungen metallisch schimmern. Manche Formen sind durch exakte Schnitte geteilt, andere durch Risse gekennzeichnet. Auch hier ist wieder diese Mischung aus Ordnung und Chaos spürbar und was dabei gewollt oder zufällig ist, bleibt das Geheimnis des Künstlers.

Wie virtuos er technisches Können mit künstlerischer Inspiration verbinden kann, zeigen am eindrucksvollsten die beiden „Paradiesvitrinen“. Zu sehen ist jeweils eine hoch aufragende und überaus verspielte Form aus Keramik, die mit Gold und Lüster überzogen, kostbaren Glanz verbreitet. Hier hat der Künstler hemmungslos seinem Spieltrieb nachgegeben und erweist mit dieser übersteigerten Formgebung Manierismus und Rokoko seine Referenz. (geöffnet Di.-Fr. 10-12 und 16-18 Uhr; So. 11.30-14.30 Uhr; bis 22.April).

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