Johanna Lindinger (rechts) trug Brües Novelle „Schloss Moyland“ vor. Dietmut Hammelrath (m.) und Julia Föllner (l.) spielten Altblockflöte.
Johanna Lindinger (rechts) trug Brües Novelle „Schloss Moyland“ vor. Dietmut Hammelrath (m.) und Julia Föllner (l.) spielten Altblockflöte.

Johanna Lindinger (rechts) trug Brües Novelle „Schloss Moyland“ vor. Dietmut Hammelrath (m.) und Julia Föllner (l.) spielten Altblockflöte.

Dirk Jochmann

Johanna Lindinger (rechts) trug Brües Novelle „Schloss Moyland“ vor. Dietmut Hammelrath (m.) und Julia Föllner (l.) spielten Altblockflöte.

Krefeld. Es sind zwei Geschichten, die Otto Brües (1897 – 1967) in seine Novelle „Schloss Moyland“ gepackt hat. Für die Schauspielerin Johanna Lindinger bedeutete dies erst einmal eine Menge Vorbereitung.

„Das Streichen war schwieriger als das Vortragen“, denn um die beiden Handlungsstränge nachvollziehen zu können, war das Kürzen auf gut eine Stunde Lesung gar nicht so einfach. Schließlich wollte sie die wichtigsten Ereignisse, die schönsten Zitate von Brües und seine lebendigen Schilderungen der Charaktere möglichst ohne hörbare Einschnitte präsentieren. Mit dieser Lesung und einem darauf abgestimmten kleinen Kammerkonzert weihte der Otto-Brües-Freundeskreis am Samstag das Niederrheinische Literaturhaus Krefeld nun ganz im Sinne des Hauses ein.

Friedrich II. trifft im Rheinland den Dichter Voltaire

Das historische Ereignis, das den Kern der Novelle darstellt, rückt den Niederrhein mitten in die europäische Geistesgeschichte. Im September 1740 reist der junge preußische König Friedrich II. nach Wesel. Schlimme Erinnerungen an die Flucht vor seinem Vater und die Gefangenschaft in der Zitadelle halten Friedrich nicht davon ab, denn sein Ziel ist Brüssel und die Begegnung mit dem von ihm verehrten Philosophen und Dichter Voltaire. Monsieur kommt ihm ins Rheinland entgegen und so treffen sich die beiden in Moyland.

Bei einer Lesung im Kaminzimmer des Wasserschlosses droht der sich gerade entwickelnden Freundschaft der beiden Männer ein schnelles Ende. Voltaire trägt seine neue Tragödie über den Propheten „Mahomet“ vor, die Brües in geraffter Form in seine Novelle eingebaut hat. Mitten im Vortrag des Meisters, „der seinen Ruhm nur durch seine Feder“ erlangt hat, verlässt Friedrich den Raum. Der Dichter ist verständlicherweise echauffiert. Nach einigem Hin und her versöhnen sich die beiden wieder.

Maria Haberland ist angetan von den Charakteren, wie sie Brües darstellt: „Mich beeindruckt, dass Friedrich wütend sein kann, den Herrscher herausstellt, sich dann aber auch entschuldigen kann.“ Barbara Ewert-Nerreter hat sich in den vergangenen Monaten viel mit Friedrich II. beschäftigt und findet es eindrucksvoll, wie Brües den König mit seinen 27 Jahren „als Frischling“, aber schon mit vielen menschlichen Erfahrungen zeichnet. „Die Lesung war stimmlich hervorragend. Der Text nimmt einen gefangen, er ist sehr bildhaft.“

Zur Zeitreise ins 18. Jahrhundert passte auch das Duett op. 2 Nr. 3 von Johann Joachim Quantz, das Diemut Hammelrath und Julia Föllner auf Altblockflöten spielten.

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