Olga Grjasnowa stellte beim Literarischen Sommerin der Mediothek ihr Buch vor.

Olga Grjasnowa vor ihrer Lesung in der Krefelder Mediothek.
Olga Grjasnowa vor ihrer Lesung in der Krefelder Mediothek.

Olga Grjasnowa vor ihrer Lesung in der Krefelder Mediothek.

Jochmann, Dirk (dj)

Olga Grjasnowa vor ihrer Lesung in der Krefelder Mediothek.

Krefeld. Der Titel habe gar nichts mit dem Inhalt zu tun, sagte Olga Grjasnowa. Die junge Autorin las im Rahmen des 14. Literarischen Sommers in der Mediothek aus ihrem Debütroman „Ein Russe ist einer, der Birken liebt“.

Sie hat drei Jahre an dem Buch geschrieben und den Arbeitstitel all die Monate mitgeschleppt.

Die Menschen darin sind vielschichtig, tragen ihre Schicksale und Traumata mit sich und suchen nach ihrer Identität.

Dazu hat die Deutsche aus Baku eine dezidierte Meinung:

„Ich bin Deutscher oder ich bin Russe – das sagt nichts über die Identität eines Menschen aus.“ In ihrer idealen Welt könne jeder Mensch dort leben, wo er möchte.

Die Autorin vermittelt eine intensive emotionale Atmosphäre

„Fische retten“ von Annelies Verbeke am Donnerstag, 1. August, um 20 Uhr im Kulturzentrum Fabrik Heeder, Studiobühne II, Virchowstraße 130.

Ihre Protagonistin Mascha stammt aus Aserbaidschan und lebt in Deutschland, dort stirbt ihr Partner Elias. Auch die Freunde Cem und Sami, die Mascha beistehen, leben nicht dort, wo sie geboren wurden. Mit Elias‘ Tod bricht ein altes Trauma aus Kriegszeiten bei Mascha wieder auf, und sie flieht in ein Land, an das sie keinerlei Erinnerung hat: nach Israel.

Dazu liest die Autorin eine Szene, in der ein Computer erschossen wird. Das wäre komisch, wenn es nicht so erschreckend wäre. „Das ist die einzige wahre Begebenheit“, sagt Olga, „Freunde haben sie mir berichtet.“ Sie hat ein halbes Jahr in Israel gelebt, um für diesen zweiten Teil des Buches zu recherchieren.

Eine interessante Frage stellte die Moderatorin: Ob die Autorin ihre Protagonistin überhaupt möge. „Nein“, war die klare Antwort. Und auch der Hinweis, dass man sich ein gutes Ende ausdenken könne, bekam nur ein Kopfschütteln.

Olga Grjasnowa las mit rollendem R, zügig und mit ungewohnter Betonung aus ihrem Buch. Dadurch bekam manches einen anderen Ton als bei stiller Lektüre und vermittelte eine intensive emotionale Atmosphäre.

Im Anschluss an die Lesung in der fast ausverkauften Mediothek wurden noch zahlreiche Gespräche geführt. In einem war man sich einig: Olga Grjasnowa hat Talent.

Und die Lektüre wird sich lohnen. Jetzt arbeitet die Schriftstellerin, die am Deutschen Literaturinstitut Leipzig studiert hat, an einem neuen Buch. „Abgabetermin ist Jahresende“, sagt sie. Einen Arbeitstitel gibt es nicht.

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