Hinter den scheinbar federleichten Bildern der Beuys-Schülerin Brigitte Dümling steckt harte Arbeit.

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Minimale Andeutung, maximale Wirkung: Mit wenigen Pinselstrichen erzeugt Brigitte Dümling faszinierende Assoziationen.

Minimale Andeutung, maximale Wirkung: Mit wenigen Pinselstrichen erzeugt Brigitte Dümling faszinierende Assoziationen.

Dirk Jochmann

Minimale Andeutung, maximale Wirkung: Mit wenigen Pinselstrichen erzeugt Brigitte Dümling faszinierende Assoziationen.

Krefeld. Manche dieser Bilder wirken so leicht, als blieben sie auch ohne Nagel an der Wand haften. Sie scheinen wie von selbst zu schweben, tänzerische Pinselstriche, die der Schwerkraft widerstehen. Die Düsseldorfer Malerin Brigitte Dümling, die ihre Arbeiten ab morgen im Kunstverein zeigt, hat das Buschhüterhaus „behängt wie eine Musik“.

Besonders faszinierend wirkt eine schwarz-weiße Leinwand im Obergeschoss. Mit wenigen breiten schwarzen Strichen und Flecken erweckt Dümling den Eindruck eines Vogels, der sich in die Luft hebt. Oder ist es ein Tänzer, der Pirouetten dreht? Dümling erzielt mit minimaler Andeutung maximale Wirkung.

Die Hängung erzeugt Spannung und fesselnde Brüche

Im Erdgeschoss beeindruckt vor allem die Hängung der Werke. Auf einer Wand erzeugt ein zwölfteiliges Puzzle spärlich bemalter Leinwände fesselnde Brüche und zugleich eine unerwartete Dichte. Gegenüber hat Dümling Dutzende mit Acryl bemalte Titanzinkplatten lose über die Wand verteilt, als wolle sie eine rätselhafte Spur hinterlassen.

Gerade in der Hängung der Arbeiten hallt wohl ihr Lehrmeister Joseph Beuys nach. „Das Entscheidende bei ihm war die Spannung zwischen zwei Dingen“, sagt Dümling. Beuys habe seine Schüler jeden Tag sieben Stunden zeichnen lassen. „Wenn man ihm die Arbeiten dann mit Herzklopfen vorlegte, sortierte er sie in zwei Stapel, deutete auf einen und sagte: ,Den solltest du dir genauer angucken.’“

Schwere Krankheit in der Kindheit schärfte die Wahrnehmung

Mit konzentrierten Blicken beginnt bis heute das Schaffen von Brigitte Dümling. Blüten, Wachstum, Jahreszeiten nennt sie als Inspirationen. Auch Musik und Klänge sind wichtig.

„Ich höre den Raum“, sagt die Künstlerin. Eine Gabe, die während einer schweren Krankheit in der Kindheit entstand: „Damals musste ich ein dreiviertel Jahr in einem dunklen Raum liegen und mich ganz auf mein Gehör verlassen.“

Wie so oft, so steckt auch bei dieser Kunst hinter dem scheinbar Federleichten das härteste Stück Arbeit. Viele Bilder haben zehn und mehr Vorläufer, die Dümling von der Leinwand reißt und wegwirft. „Ich kann mich überhaupt nicht darauf verlassen, dass ich malen kann“, lautet ihr überraschendes Geständnis.

Brigitte Dümling: „Bewegung, Raum und Klang“. Eröffnung am Freitag um 19 Uhr im Kunstverein. Mi./Do., 16-19 Uhr, So., 11-13 Uhr. Bis 4. Mai.

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