Regionale Kunst genügt nicht den Maßstäben: Eine städtische Galerie muss her.

Krefeld. Die Debatte um die zukünftige Ausrichtung der Krefelder Kunstmuseen schlägt Wellen. Einer stärkeren Präsenz regionaler Kunst im Kaiser-Wilhelm-Museum steht der Kulturdezernent kritisch gegenüber: "Hiesige Kunst gehört nicht in erster Linie ins Museum", sagt Roland Schneider der WZ. "Dafür braucht Krefeld eine städtische Galerie."

Ein Konzept liegt bereits in der Schublade. "Um in der Alten Post eine Galerie einzurichten, braucht man bei ehrenamtlicher Hilfe höchstens 10 000 Euro pro Jahr." Die Kunstmuseen hingegen sollten laut Schneider höhere Maßstäbe ansetzen: "Sie sind unser einziges Kulturinstitut von internationalem Rang - das muss so bleiben."

In der Kunstszene waren angesichts des Erfolgs von "Quer geschnitten" und der "Großen Dujardin" Stimmen laut geworden, der regionalen Kunst einen breiteren Raum zu geben. Museumschef Martin Hentschel lehnt das ab: "Die hiesige Kunst spielt den Part, der ihr gebührt. Und das schätzen die Künstler selbst auch ganz realistisch ein."

Hentschel gibt zwar zu, dass es Versäumnisse bei der Einbindung der Szene gegeben hat: "Das war ein Manko." Aber durch das Versprechen, künftig regelmäßig Studio-Ausstellungen regionaler Künstler zu zeigen, sei das "revidiert".

Darüber hinaus kann Hentschel sich vorstellen, alle fünf Jahre eine Ausstellung wie "Quer geschnitten" zu präsentieren. "Ansonsten muss unsere herausragende Sammlung im Fokus stehen. Weder Museum noch Künstler tun sich einen Gefallen damit, Maßstäbe durcheinander zu wirbeln."

Im WZ-Gespräch forderte Galerist Ralph Kleinsimlinghaus ein bürgernahes Museum mit engerer Anbindung an die Krefelder Kunstszene. Der Stadt und dem Museum warf er in diesem Punkt Versäumnisse vor.

Vor einigen Tagen legte der Freundeskreis nach, forderte unter anderem bessere Vermarktung und Kommunikation..

Den Vorwurf, die Stadt tue zu wenig für ihre Künstler, weist Schneider zurück. "Ich freue mich über die Debatte, aber da ist zu viel Nörgelei dabei", sagt Schneider und verweist auf die Unterstützung von Kunstvereinen, internationale Ausstellungsprojekte und das Atelierförderprogramm. "Ohne städtische Hilfe wäre vieles nicht möglich. Das sage ich ganz selbstbewusst. Krefeld kann stolz sein, einen tollen Nährboden für Kunst zu bereiten."

Auch der Verweis auf die goldene Ära des Museumschefs Paul Wember löst bei Schneider gemischte Gefühle aus: "Wember wird verklärt. Er hat viel geleistet, aber seine Besucherzahlen waren keineswegs sensationell." Wember und seine Nachfolger hätten zeitgenössische Kunst auf internationalem Niveau gezeigt. Diese Arbeit setze der "begnadete Ausstellungsmacher" Hentschel nun fort.

Nach der Sanierung des Museums will Hentschel vor allem "Schätze aus der eigenen Sammlung" heben. "Wir haben für das Haus keinen Ausstellungs-Etat, daher sind keine großen Sprünge drin", sagt Hentschel. Äuch für ein stärkeres Marketing, das die Museumsfreunde fordern, fehlt das Geld: "Nur gute Ideen reichen nicht", betont Roland Schneider. "Wenn man den Mund spitzt, muss man auch pfeifen können."

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