René Linke erkundet mit jungen Schauspielern Frank Wedekinds „Frühlings Erwachen“.

Ausschnitt aus der Kresch-Adaptation von „Frühlings Erwachen“.
Ausschnitt aus der Kresch-Adaptation von „Frühlings Erwachen“.

Ausschnitt aus der Kresch-Adaptation von „Frühlings Erwachen“.

abi

Ausschnitt aus der Kresch-Adaptation von „Frühlings Erwachen“.

Krefeld. Um die Jahrhundertwende war das Stück verboten, nach dem Krieg hatten wir Oswald Kolle und die Bravo und nun stehen sie wieder vor dieser Frage, die jungen Menschen: Wie erkenne ich den anderen, was habe ich für Neigungen, wie geht das mit dem Sex? Kurz: Wie ist das mit der Liebe?

Welche Nöte und Sehnsüchte zu dieser Frage gehören, zeigten in einer eindrucksvollen, sehr freien Adaption von Frank Wedekinds „Frühlings Erwachen“ junge Schauspieler im Kreschtheater. Endgültig können die zwölf Schauspieler des Kreschjugendtheaters (in Kooperation mit der Marienschule) die Frage natürlich nicht beantworten.

Aber sie nähern sich ihr auf vielfältige Weise. Sie benutzen Licht, Musik und Kostüm, sie verschachteln den Plot mit ihrer eigenen Lebenswelt, sie verwandeln sich in die Figuren Wedekinds, in eine Chatgemeinde, in kichernde Backfische und in weltläufige Jungmänner, die in Wahrheit doch noch keine Erfahrungen haben.

Und so entsteht auf der Bühne ein Kaleidoskop, das seine Zuschauer in den Bann zieht, an mancher Stelle sogar eine wahre Stille entstehen lässt. Am Anfang sind sie laut und grell und tragen zum Thema aus dem Gesetzbuch vor. Alles ist reguliert, doch den Jungen nützen die Regeln nichts. Sie können sie nicht mit Erfahrung füllen und täten es so gern.

Dann ragen nur die Köpfe und Hände der vollständig schwarz gekleideten Schauspieler ins Licht: sanfte Bewegungen voller Erotik. Aber es geht auch anders: Ein „Ich möchte Dich was fragen“ wird von einer Handy- Telefon-Kette zunichte gemacht; ein schüchterner Junge wird mit Beischlaf-Synonymen zugeschüttet – schon Jungs und Mädchen reden aneinander vorbei – ein weises junges Mädchen erkennt die Konflikte ihrer ewig jungen Mutter, die Mädchen mutieren beim Schminken zu automatischen Puppen.

So setzt Regisseur René Linke mit seinem Stück zweierlei gegeneinander: Konventionen nicht nur der Erwachsenen, sondern auch der eigenen Gruppe gegen unklare Sehnsüchte und eindeutige Bedürfnisse.

Hier erwacht der Frühling auf eine äußerst zeitgemäße und überzeugende Weise, überträgt seine hibbelige Energie durchaus auf einige Zuschauer und erhielt sehr großen Applaus für Darsteller und Inszenierung.

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