Das Theaterstück „Tohu und Wabohu“ hat in der Fabrik Heeder seine Premiere gefeiert und vom Publikum viel Beifall bekommen.

Das Theaterstück „Tohu und Wabohu“ hat in der Fabrik Heeder seine Premiere gefeiert und vom Publikum viel Beifall bekommen.
Die beiden Clowns Tohu und Wabohu entführen das Publikum in ihre Welt.

Die beiden Clowns Tohu und Wabohu entführen das Publikum in ihre Welt.

Thomas Weinmann

Die beiden Clowns Tohu und Wabohu entführen das Publikum in ihre Welt.

Krefeld. Nach Tohuwabohu sieht das Bühnenbild nicht gerade aus. Etwas Mobiliar und einige Geschirrteile stehen ordentlich auf einer Linie angeordnet am hinteren Rand der Bühne. Ein bisschen Tohuwabohu herrscht dagegen auf den Rängen der ausverkauften Premierenveranstaltung des Kresch-Theaters. „Tohu und Wabohu“ hat viele kleine und große Leute am Sonntagnachmittag in die Fabrik Heeder gelockt. Das Spiel zweier Clowns wird erwartet. Regisseur Helmut Wenderoth hat dieses Stück unter Pseudonym Jakob Nain geschrieben.

Dunkelheit, dann Licht auf der Bühne. Leise Musik setzt ein und der rot bemalte, große Koffer und der Tisch fangen an, sich nach vorne zu bewegen. Die beiden Schauspieler stecken dahinter. Ein Clown mit seriösem Anzug und Fliege (Angelo Enghausen-Micaela) und eine Clownin (Britta Weyers) im Ringelkleid treten hervor und arrangieren alles etwas umständlich für eine Kaffeetafel. Doch sie werden sich friedlich einig, wie das Geschirr auf dem Tisch stehen soll.

Dann setzt sich der Clown an den Tisch und singt „Heut’ mach’ ich mir’s gemütlich!“. Doch daraus scheint nichts zu werden. Denn die Clownin kommt wieder mit ihrem Riesenkoffer und erklärt: „Ich möchte bei dir bleiben. Für immer.“ Doch das stößt beim Mann am Kaffeetisch nicht auf Gegenliebe. Er weist sie ab. Erst, als sie das dritte Mal mit ihrem Koffer vor ihm steht, stimmt er zu. Erst jetzt stellen sie sich vor und das Tohuwabohu des Titels wird deutlich.

Tohu und Wabohu interpretieren das Märchen von Rotkäppchen neu

Gerade kommt nämlich das geordnete Leben von Tobias Hubert Schmidt („Tohu“) durch Waranda Borgameska („Wabohu“), die eigentlich noch einen viel längeren Namen hat und damit für Erheiterung sorgt, beachtlich in Unordnung.

Aber die zwei nähern sich behutsam an und arrangieren sich auf eine freundschaftliche Weise. Da gehen sie ohne Worte spazieren, Regen scheint plötzlich einzusetzen, und Wabohus kleiner Zweit-Koffer wird zum Regenschirm für beide. Denn sie sieht, dass ein über den Kopf gezogenes Jackett auch nicht das Wahre ist. Das Lied „Du gehörst dazu“ unterstreicht das Gefühl des Zusammenwachsens.

Angebot Eine erste Sichtveranstaltung mit Ensemblegespräch für Pädagogen findet am Donnerstag, 16. Februar, um 19 Uhr statt. Der Eintritt ist nach telefonischer Anmeldung frei. Infos und Buchung montags bis freitags von 10 bis 13 Uhr unter 86 26 26.

Kreativ verwandeln die beiden mit Worten das Geschirr in das Bühnenbild für ihre nächste Geschichte – aus der Teekanne wird eine Tanne, aus dem Kännchen ein Tännchen und aus der Zuckerdose ein süßer Hügel. Mit viel Fantasie folgt ihre Interpretation von Rotkäppchen und der Wolf. „Das mit dem Aufgefressenwerden am Ende ist doof“, da sind sich beide einig. Doch zum Glück ist Tohu der Wolf und der will diese Rolle auch nicht so spielen.

Die beiden schaffen wieder Ordnung auf der Bühne, stellen alles wie zu Beginn auf. Doch dann überrascht Wabohu: „Tohu, ich werde weiter gehen.“ Mit einem „Du gehörst ab heut’ dazu!“ verabschieden sie sich und verstecken sich wieder hinter dem Mobiliar.

Trampelnder Beifall kommt von den Rängen. Dort sitzt auch eine Gruppe vom Arbeitskreis Fremde in Willich. Jutta van Amern hat mit 19 Kindern zwischen fünf und 13 Jahren die Aufführung angesehen. Sie macht häufiger Aktionen mit ausländischen Kindern und ist so bereits auf das Theaterstück und seine besondere Ausrichtung gestoßen.

Mobile Produktion: Weg von der Bühne, rein in die Klassenräume

„Tohu und Wabohu ist gemacht für interkulturellen Sprachunterricht in Grundschulen, Flüchtlingsheimen, Begegnungsstätten und überall dort, wo sich Menschen näher kommen wollen“, sagt Michael Jezierny, der Leiter des Kresch-Theaters. Bei dem Stück handelt es sich um eine mobile Theaterproduktion, die nicht auf der Studiobühne in der Fabrik Heeder ihren Hauptspielort haben soll, sondern in Schulen und anderen Einrichtungen. Jezierny freut sich, dass ein Krefelder Gesundheitszentrum das Projekt finanziell unterstützt und damit eine mobile Aufführung auch für Einrichtungen mit kleinem Etat ermöglicht.

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