Mit dem Stück „Knapp dran vorbei“, das am Freitag Premiere feiert, will das Kresch Schulen überfallen.

In weiter Ferne so nah: Nils Beckmann, Silvia Westenfelder.
In weiter Ferne so nah: Nils Beckmann, Silvia Westenfelder.

In weiter Ferne so nah: Nils Beckmann, Silvia Westenfelder.

T. Weinmann

In weiter Ferne so nah: Nils Beckmann, Silvia Westenfelder.

Krefeld. Stell dir vor, es ist Unterricht, und ganz plötzlich geht die Tür auf. Im Klassenzimmer steht Alexander, ein junger Mann mit Kappe und Kapuzenjacke, außer Atem und ziemlich aufgewühlt. Gleich hinterher stürzt seine Mutter. Die beiden fangen an sich zu streiten, vor aller Augen und Ohren jene Gräben sichtbar zu machen, die sich zwischen Eltern und ihren pubertierenden Kindern auftun.

Mit dieser Art von Überfall-Theater will das Kresch in Kürze Krefelds Klassenräume unsicher machen. Wer die Inszenierung "Knapp dran vorbei" dort erlebt, war in der Regel auf normalen Unterricht eingestellt. "Die Schüler sind irritiert, sie wissen nicht sofort, was da passiert", erklärt Regisseur Helge Fedder. "Die Situation wirkt anfangs ganz real."

Zumal das Stück des jungen Autors Daniel Rademacher, finanziert mit dem Projekt "Angestiftet" der Sparkassen-Kulturstiftung, Jugendliche in ihrer Lebenswirklichkeit abholt: Alexander (Nils Beckmann) wird vor den Augen der Klasse mit den Geheimnissen konfrontiert, die er vor seiner Mutter (Silvia Westenfelder) hat.

Stück für Stück wird klar, dass zwei Menschen, die sich sehr nah sein müssten, tatsächlich in unterschiedlichen Welten leben. "Die Frau, die da im Klassenraum steht, ist ein Alien", sagt Helmut Wenderoth, künstlerischer Leiter des Kresch-Theaters. "Ein Mathelehrer in Unterhosen könnte nicht fremdartiger sein."

Um trotz der absurden Ausgangssituation so realistisch wie möglich zu bleiben, hat Rademacher Krefelder Schulen besucht. Als Spion hinten im Klassenraum verfolgte er den Unterricht und ließ seine Randbeobachtungen in die Geschichte einfließen. Extreme Emotionen und einfache Erklärungen versucht er zu vermeiden: "Im Alltag stößt man auf genug Konfliktpotenzial."

Dass dem Stück dadurch ein prägnantes aktuelles Thema wie Mobbing fehlt, sieht Wenderoth nicht als Problem: "Es ist zwar zunehmend schwierig, Stücke anzudocken, die nichts mit dem Lehrplan zu tun haben", sagt er. "Aber dies hier ist ganz nah am Leben."

Premiere ist am Freitag, 19 Uhr, Fabrik Heeder. Termine: Sonntag, 19 Uhr, und Montag, 10.30 Uhr. Kontakt für Aufführungen in Schulen: Ruf  02151/86 26 26.

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