Der Krefelder Fotograf Roland Köhler fotografierte den Einsatz im Nahen Osten.

Nächtlicher Blick vom Schiff auf den Hafen von Beirut. Der Soldat ist nur als schattenhafter Umriss zu erkennen.
Nächtlicher Blick vom Schiff auf den Hafen von Beirut. Der Soldat ist nur als schattenhafter Umriss zu erkennen.

Nächtlicher Blick vom Schiff auf den Hafen von Beirut. Der Soldat ist nur als schattenhafter Umriss zu erkennen.

Drei Soldaten auf der Brücke des Schnellbootes Wiesel, mit dem Köhler von Beirut nach Zypern übersetzte.

Zur Besatzung des Schnellbootes gehören auch zwei Soldatinnen.

Mit vier Coladosen haben Soldaten eine Art Adventskranz improvisiert.

Roland A. O. Köhler, Bild 1 von 4

Nächtlicher Blick vom Schiff auf den Hafen von Beirut. Der Soldat ist nur als schattenhafter Umriss zu erkennen.

Krefeld. Aus den Nachrichten ist diese Blauhelm-Mission längst verschwunden. Schon seit 1978 beobachten die Vereinten Nationen die Lage im Grenzgebiet zwischen Israel und dem Libanon. „Es ist die vergessene Mission“, sagt der Krefelder Fotograf Roland A. O. Köhler. Anfang Dezember war eine Woche lang vor Ort und hat die Arbeit der UN-Soldaten und der deutschen Marine dokumentiert. Die Bilder zeigt er auf seiner Homepage.

„Die Palästinenserlager sind absolute No-Go- Areas für Fotografen.“

Roland A. O. Köhler, Fotograf

Für Köhler ist es nicht der erste Trip durch gefährliches Terrain. Der 62-Jährige war in Afghanistan und im Oman, er hat Fallschirmjäger beim Absprung fotografiert. Seine Kontakte in höhere Kreise der Bundeswehr verschaffen ihm häufig Zugang in Bereiche, die sonst für Fotografen tabu bleiben. Sogar im Bendlerblock, dem Sitz des Verteidigungsministeriums in Berlin, durfte er sich unlängst mit seiner Kamera bewegen.

Auch bei der Reise in den Libanon sind wieder außergewöhnliche Bilder entstanden. Sie wirken nicht wie die Aufnahmen eines Zaungastes, sondern wie Dokumente aus dem Innenleben einer Mission. Besonders auf dem Schnellboot Wiesel, mit dem Köhler am Ende von Beirut nach Limassol auf Zypern übersetzte, bewegt er sich frei mitten unter den Soldaten. Er zeigt sie auf der Brücke, auf Beobachtungsposten, sogar beim Umziehen. Ein anrührendes Foto zeigt ihren Adventskranz, improvisiert aus Coladosen.

An den Palästinenserlagern hieß es: „No pictures!“

Zuvor an Land war Köhler auch auf das Wohlwollen der libanesischen Gastgeber angewiesen. Als er von Beirut aus ins UN-Hauptquartier in Naquora an der Grenze zu Israel gebracht wurde, hieß es auf der Strecke „No pictures!“. Die Palästinenserlager am Wegesrand, mitten im Hisbollah-Gebiet, durfte er nicht einmal aus dem Auto heraus fotografieren. „Die Lager sind absolute No-Go-Area für Fotografen.“

Im Hauptquartier selbst durfte er sich dann wieder relativ unbehindert umsehen, wie Köhler berichtet. Er traft dort auf Soldaten aus dutzenden Ländern, oft musste ein Blickkontakt reichen, um die Fotoerlaubnis einzuholen. „Ich zeige auf die Kamera und auf die Person. Das Recht am Bild gehört schließlich immer dem, der fotografiert wird.“

Köhler arbeitet ohne den Druck eines Journalisten

Roland A. O. Köhler geboren 1951 in Thüringen, wuchs in Krefeld auf und besuchte die Werkkunstschule, bevor er an der Folkwang-Schule als Bildhauer abschloss. Er lebt heute in Köln.

Seit 1998 hat sich Köhler auf das Thema Bundeswehr spezialisiert. Auch sonst sucht er Extremsituationen, begleitet Krebspatienten und fotografiert im Operationssaal.

Köhler hält sich an die Regeln, er arbeitet behutsam, und er entwirft sich natürlich einer gewissen Kontrolle seitens des Militärs. Deshalb wird er immer wieder auf Missionen und zu Übungen eingeladen. „Die Verantwortlichen legen Wert auf meinen Blick als Kreativer und als Zivilist“, sagt Köhler. „Und ich schätze es, dass ich diese Situationen als Künstler erleben kann, ohne den Druck eines Journalisten, spektakuläre Geschichten und Bilder zu liefern.“

Gleichwohl hat der Fotograf die Region als „Pulverfass“ erlebt, zusätzlich befeuert durch die angespannte Lage in Syrien. „Wenn der Funke überspringt, wird sich der Einsatz von einem Tag auf den anderen stark verändern“, sagt Köhler. Und niemand würde mehr von einer vergessenen Mission sprechen.

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