Zu Mies van der Rohe und den Seidenbaronen soll es im Jahr 2019 Ausstellungen und Veranstaltungen geben.

Zu van der Rohe und den Seidenbaronen soll es im Jahr 2019 Ausstellungen und Veranstaltungen geben.
Die Kunsthistorikerin Christiane Lange vor dem Haus Lange, in dem ihr Großvater lebte. Sie ist die Vorsitzende des Vereins Projekt Mik.

Die Kunsthistorikerin Christiane Lange vor dem Haus Lange, in dem ihr Großvater lebte. Sie ist die Vorsitzende des Vereins Projekt Mik.

Die helle und besondere Architektur der Häuser macht sie perfekt für Ausstellungen.

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Die Kunsthistorikerin Christiane Lange vor dem Haus Lange, in dem ihr Großvater lebte. Sie ist die Vorsitzende des Vereins Projekt Mik.

Krefeld. Das Jahr 2019 steht im Zeichen des Bauhaus-Jubiläums. Der Standort für die Projekte in Nordrhein-Westfalen wird Krefeld sein, denn dort kümmert sich bereits seit sechs Jahren der Verein Projekt Mik (Mies van der Rohe in Krefeld) um die Erforschung und Präsentation des Bauhaus-Erbes. Die Seidenindustrie unterhielt in den 20er Jahren Verbindungen zum Bauhaus und vor allem zu seinem dritten Direktor, Ludwig Mies van der Rohe.

Es entstand ein kulturell-industrielles Netzwerk aus Vertretern der Avantgarde, Protagonisten der Seidenindustrie und verschiedenen Institutionen, das bis in die Nachkriegszeit Bestand hatte. Ein berühmtes Beispiel für diese Kooperation sind die heute von den Kunstmuseen Krefeld genutzten, von Mies van der Rohe entworfenen Fabrikantenvillen Haus Lange und Haus Esters.

Eine begehbare Skulptur ist Ausgangspunkt für Debatten

Doch nicht nur in der Architektur finden sich Spuren der Kontakte zwischen Seidenfabrikanten und Bauhaus. So wurde zum Beispiel der Maler, Farbtheoretiker und Bauhaus-Lehrer Johannes Itten 1931 zum Leiter der neu gegründeten Flächenkunstschule in Krefeld berufen, Georg Muche und andere folgten als Lehrende. Und selbst in der Stadtverwaltung fanden sich Absolventen der berühmten Kunstschule in Weimar/Dessau.

2019 wird die Bedeutung des Bauhauses als Community und Netzwerk im Kontext der Moderne in Krefeld im Mittelpunkt stehen. Die Herangehensweise wird von Projekt Mik in Kooperation mit der Stadt Krefeld und dem Land Nordrhein-Westfalen konzipiert. Eine begehbare Skulptur des in Düsseldorf lebenden Künstlers Thomas Schütte wird Ort und Ausgangspunkt für Debatten und Vorträge sein und eine Ausstellung zum Thema zeigen.

„Es geht darum, die architektonische Geschichte der Stadt erfahrbar zu machen.“

Christiane Lange, Vorsitzende des Vereins Projekt Mik

Der 2010 gegründete Krefelder Verein Projekt Mik hat sich die Erforschung und Vermittlung der Verbindung zwischen Krefelder Auftraggebern und der künstlerischen und architektonischen Avantgarde zum Ziel gemacht. Ein weiteres Projekt war „Mies 1:1“ im Sommer 2013, für das ein von Ludwig Mies van der Rohe 1930 für den Krefelder Golfclub geplantes Clubhaus vorübergehend als begehbares Modell am Originalstandort realisiert wurde.

In Krefeld hatte sich seit der Jahrhundertwende eine Szene gebildet, die den avantgardistischen Tendenzen ihrer Zeit offen gegenüberstand. Seidenfabrikanten wie Hermann Lange und Josef Esters in Krefeld zeigten eine große Affinität zur zeitgenössischen Kunst und Architektur. Sie beauftragten Ludwig Mies van der Rohe mit dem Bau ihrer Villen, Haus Lange und Haus Esters (1928–30), die beide als Musterbeispiele der Moderne gelten.

Auch den Auftrag für seinen einzigen Fabrikbau – dem Färberei- und HE-Gebäude der Vereinigten Seidenwebereien AG – erhielt Mies 1931 aus dem Kreis der Seidenindustrie. Ebenso für das nie gebaute Clubhaus des Krefelder Golfclubs, das aber 2013 in dem Projekt „Mies 1:1 Das Golfclub Projekt“ als begehbares Modell temporär realisiert wurde.

Das Bauhaus-Jubiläum 2019 soll an die Gründung der Kunstschule in Weimar (ab 1925 Dessau, ab 1932 Berlin) erinnern. Zum 100-jährigen Bestehen des Bauhauses finden in ganz Deutschland in Kooperation mit Partnern in der ganzen Welt vielfältige kulturelle und wissenschaftliche Aktivitäten statt. Denn obwohl die von Walter Gropius gegründete Kunstschule nur 14 Jahre bestand und 1933 unter dem Druck der Nationalsozialisten geschlossen wurde, wirkt das, was dort gelehrt, gedacht und geschaffen wurde, bis heute fort.

Neben weiteren Forschungen zum Erbe der „Bauhäusler“ in Krefeld, so Christiane Lange, Vorsitzende von Projekt Mik, gehe es bei den Aktivitäten in Krefeld vor allem auch darum, „die architektonische Geschichte der Stadt sichtbar und erfahrbar werden zu lassen und für die Rolle von Baukultur als jedermann betreffendes Element einer Stadtgesellschaft zu sensibilisieren“.

Die Stadt Krefeld sieht im Bauhaus-Jubiläum einen Baustein für einen angestrebten Perspektivwechsel auf ihr kultur- und industriegeschichtliches Erbe. Man habe jetzt die Chance, dem inzwischen Jahrzehnte alten Werbeslogan „Stadt wie Samt und Seide“ einen neuen, zeitgemäßen Inhalt zu geben.

Der Bauhaus–Verbund 2019 ist eine Arbeitsgemeinschaft des Bundes sowie der Länder Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Als Plattform für alle Aktivitäten dient die Website www.bauhaus100.de. Das Projekt wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes. Red projektmik.com

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