In sechs kleinen Gräbern lagen – anders als vermutet – keine Kinder, sondern Köpfe junger Leute.

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Margareta Siepen (l.), Christoph Reichmann und Christine Linke beim Grabungsabend in Linn.

Margareta Siepen (l.), Christoph Reichmann und Christine Linke beim Grabungsabend in Linn.

Dirk Jochmann

Margareta Siepen (l.), Christoph Reichmann und Christine Linke beim Grabungsabend in Linn.

Krefeld. Auf dem Gelleper Gräberfeld gibt es sechs kleine Grabstellen, die man immer für Kindergräber gehalten hatte. Doch nun wissen die Archäologen mehr: Dort wurden die Köpfe von sechs jungen Erwachsenen bestattet. Sie starben alle im 4. Jahrhundert und wurden an verschiedenen Stellen begraben – ohne jede Beigabe.

Über diesen sehr ungewöhnlichen Fund sprach Margareta Siepen vom Bonner Amt für Bodendenkmalpflege beim Grabungsabend in der Museumsscheune. Dort wurden die Funde und Forschungsergebnisse des vergangenen Jahres vorgestellt.

Eine Pathologin aus Amsterdam hat die Überreste untersucht

Archäologin Siepen hatte die Zähne aus den sechs Gräbern von einer Amsterdamer Pathologin bestimmen lassen. „Wenn es keine Beigaben gibt, befassen wir uns mit den menschlichen Überresten“, erklärte sie. „Knochen sind wegen des sandigen Bodens kaum erhalten.“

Zur großen Verwunderung aller waren die sechs Toten junge Erwachsene im Alter von 17 bis 25 Jahren. Nun wird die Forschung herauszufinden versuchen, warum nur ihre Köpfe bestattet wurden. Das war nämlich unüblich auf einem normalen Gräberfeld. In der Archäologie kennt man sonst nur die Bestattung eines römischen Hauptes, etwa eines berühmten Feldherren oder Herrschers. Man kennt auch im Keltischen einen Kopfkult. Aber aus spätrömischer Zeit war bisher nichts Vergleichbares ausgegraben worden.

Nach dem Vortrag erläuterte Museumsleiter Christoph Reichmann weitere Funde. Viele Besucher waren gekommen, um sich die Gegenstände anzusehen. So entpuppte sich unter den Händen von Restauratorin Christine Linke ein Bronzeklumpen als wunderschöner Schlüsselgriff in Form eines Panthers. Ein Ehrenamtler hat einen römischen Adler gefunden, der möglicherweise zu einem Pferdegeschirr gehörte. Und das Grabungsteam hat, obschon „von den örtlichen Bauern verfolgt“, eine Wegekreuzung aus dem späten Mittelalter und eine eisenzeitliche Siedlung entdeckt.

Außerdem konnte Reichmann verschiedene Inschriften genauer entziffern und zeitlich zuordnen. Zum Beispiel das Bruchstück eines Weihesteins. Seine Übersetzung macht deutlich: In Gellep war eine militärische Abteilung stationiert, deren Aufgabe das Bärenfangen war. Diese Tiere waren beliebt für Zirkusspiele und wurden zum Beispiel nach Xanten in die Arena gebracht.

Einen anderen Stein konnte Reichmann jetzt auch entziffern. Ein wohl ziemlich frustrierter Arbeiter aus dem südöstlichen Teil des Römischen Reiches hatte die Rückseite eines Grabsteins mit voller Wut behauen: „Dort steht ein ziemlich unanständiges Wort für Exkremente“, sagt Archäologe Reichmann.

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