Ein ungewöhnlicher Abend in der Alten Kirche mit Nocturnes und besinnlichen Texten.

dpa

Krefeld. Musik und Texte zur Nacht gab es bei einem ungewöhnlichen Konzert am späten Samstagabend in der Alten Kirche. Was hätte zu einem solchen Anlass besser gepasst als Chopins Nocturnes und Gedichte über Abend- und Nachtstimmungen?

Von Natur aus sind auch schon die Nocturnes lyrische Stücke, Stimmungsbilder, in denen keine dramatischen Geschichten erzählt werden, sondern Atmosphärisches in Klänge gehüllt wird. Kein Komponist hat das besser in Klangbilder umgesetzt als Frédéric Chopin, dessen Nocturnes zum Inbegriff dieser Gattung wurden. Eine Melodie, die meist von gebrochenen Akkorden begleitet wird - das Ganze durch einen nahezu permanenten Pedaleinsatz zum Schweben gebracht, dies kann man als die Markenzeichen eines Nocturnes von Chopin bezeichnen. Bei der Interpretation des Pianisten Timur Sergeyenia war man sofort ergriffen und wurde in eine andere Welt entführt.

Mit einem biografischen Gedicht über den Meister der Nocturnes begann Manfred Bautz seine "Texte zur Nacht". Eine ungewöhnliche Sichtweise zeigte sich dabei, denn mit Gottfried Benn sprach ein Arzt als Dichter. Nicht nur der Musiker, sondern auch der Patient Chopin wurde in den Versen verewigt.

Im stetigen Wechsel von einigen kurzen Gedichten, unter anderem von Andreas Gryphius, Georg Trakl und Joseph von Eichendorff, und den Nocturnes gestaltete sich der Abend. Die rund 50 Zuhörer in der Alten Kirche waren verzaubert, so entrückt von der Stimmung der Musik, dass sie kaum wagten zu applaudieren, so sehr empfand man gemeinschaftlich, ohne Absprache laute Geräusche als unpassend.

Und das schwierige Instrument, für das die Kollekte bestimmt war - "um den Flügel bei Laune zu halten", so Manfred Bautz - wurde mit den leisen Nocturnes nicht an seine Grenzen gebracht. gmk

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