Zwischen Stille und Temperament spielt Giora Feidman seine Klarinette. Der Meister des Klezmer begeistert sein Publikum.

Beeidruckende Persönlichkeit: Giora Feidman in der Friedenskirche.
Beeidruckende Persönlichkeit: Giora Feidman in der Friedenskirche.

Beeidruckende Persönlichkeit: Giora Feidman in der Friedenskirche.

abi

Beeidruckende Persönlichkeit: Giora Feidman in der Friedenskirche.

Krefeld. Bis kurz vor Konzertbeginn steht der Meister persönlich hinten in der Friedenskirche. Mit einem dicken Filzstift gibt er Autogramme auf CDs, Bücher und auf seiner Minibiographie „Giora Feidman – Brückenbauer zwischen den Kulturen“. Ein Mitarbeiter bringt ihm die Klarinette aus dem Altarraum, die Lichter werden reduziert, und das Ensemble Gitanes Blondes nimmt vorne Platz.

450 Zuhörer summen, Feidman legt eine klagende Melodie darüber

Ganz leise hört man im hinteren Kirchenschiff die Klarinette mit einer bekannten Klezmermelodie. Feidman bewegt sich langsam vorwärts, leise beschwörend klingt die Weise. Bei den Kollegen angekommen, bittet er das Publikum „nur um eine Note“. Als Basso continuo summen die rund 450 Zuhörer leise. Feidman legt eine klagende Melodie darüber.

Gemeinsam mit den vier Musikern Mario Korunic (Violine), Konstantin Ischenko (Akkordeon), Christoph Peters (Gitarre) und Simon Ackermann (Kontrabass) entwickelt er einen verhaltenen Tanz. Das verträumte Stück wird temperamentvoll und klingt fast unhörbar aus.

Mit seinem Instrument erzählt Feidman sehr abwechslungsreiche Geschichten. Wo sich die fünf Musiker musikalisch auch aufhalten, sei es beim Klezmer oder Tango, in der Klassik, im Balkan-Folk oder bei Traditionals, elegant und leise gleiten sie von einem Musikstil in den nächsten.

Viele im Publikum scheinen zu einer vertrauten Fangemeinde zu gehören, denn sie reagieren schnell auf ihre Einsätze. Der Refrain „Donna, Donna“ kommt fast wie einstudiert. „You sing beautiful“, lobt der Grandseig-neur des Klezmer. Das gemeinsame Musizieren bedeutet ihm viel, wie er sagt. Es macht die „einzigartigen Momente“ bewusst, dass hier Juden in einer Kirche spielen und alle sich verbunden fühlen.

Harmonie wünscht er sich auch für Israel, wo er als gebürtiger Argentinier, Sohn jüdischer Auswanderer aus der Ukraine, seit mehr als 50 Jahren lebt. Als Beweis, dass Frieden möglich ist, spielen die Musiker seine Komposition mit Elementen aus der deutschen und israelischen Nationalhymne verbunden mit arabisch-palästinensischen Klängen. Das Publikum singt dazu das Wort „Shalom“. Dieser emotional bewegende Konzertabend ließ eine Utopie ein wenig realistischer werden. Mit stehendem Applaus dankte man dem musikalischen Brückenbauer.

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