kolumne Das fünfte Sinfoniekonzert

Ostern ist in der russisch-orthodoxen Kirche das wichtigste und schönste Fest des Jahres. Gerade am vergangenen Wochenende wurde es ausgiebig zelebriert. Die Feierlichkeiten sind sogar prächtiger als die zu Weihnachten.

Kein Wunder also, dass den Komponisten Nikolai Rimski-Korsakow prägende Erinnerungen aus seinen Kindertagen begleiten. Für eine Ouvertüre, die er 1888 schrieb, wählte er einige Themen aus der Obikhod, einer Sammlung orthodoxer Lobgesänge. Die Komposition sollte sowohl „an das Osterevangelium als auch an die ,weltlichen Lustbarkeiten’ dieses Festes erinnern.“ Diese Wahl der Quelle war nicht unumstritten: Bei Anwesenheit von Zar Alexander III. durfte das Werk nicht gespielt werden. Dennoch scheint diese Restriktion noch ziemlich harmlos gegenüber den Angriffen, welche später der russische Diktator Josef Stalin gegen den Komponisten Dmitri Schostakowitsch vornahm. Für sein Leben wie für sein Schaffen bedeutete dies, dass er, um nicht in Gefangenschaft oder Schlimmeres zu geraten, einen Kompromiss finden musste zwischen dem, was er komponieren wollte, und dem, was das Regime erwartete. Er musste für seine Musik ein passendes Etikett finden, die wahre Aussage hinter einer Maske verstecken.

Erst nach dem Tode Stalins, im Jahre 1953, lockerten sich die künstlerischen Restriktionen allmählich. In dieser „Tauwetterperiode“ komponierte Schostakowitsch für Mstislaw Rostropowitsch das 1. Violoncellokonzert in Es-Dur. Im 5. Sinfoniekonzert der Niederrheinischen Sinfoniker gastiert für dieses Cellokonzert mit Norbert Anger, dem Ersten Konzertmeister der Violoncelli der Sächsischen Staatskapelle Dresden, ein ausgesprochen vielseitiger Meister seines Fachs.

Die musikalische Leitung liegt in den Händen des stellvertretenden Chefdirigenten der St. Petersburger Philharmoniker, Nikolay Alexeev. Auf seine Interpretation der fünften Sinfonie von Peter Tschaikowsky, welche neben der „Pathétique“ das beliebteste Werk dieses Meisters ist, darf man wirklich gespannt sein.

» 5. Sinfoniekonzert mit Werken von Nikolai Rimski-Korsakow: Ouvertüre „Russische Ostern“ op. 36; Dmitri Schostakowitsch: Violoncellokonzert Nr. 1 Es-Dur op. 107; Peter Tschaikowsky: Sinfonie Nr. 5 e-Moll op. 64

» Dirigent: Nikolay Alexeev

» Freitag, 13., und Dienstag, 17. April, um 20 Uhr im Seidenweberhaus

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