Die Kleinkunstbühne kommt fast ohne Zuschüsse aus. Betreiber Rüdiger Höfken sieht die Pläne der Stadt dennoch kritisch.

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Obwohl es ihn selbst nicht betrifft: Rüdiger Höfken warnt vor der „Radikalrasur“ der freien Kulturszene. Archiv

Obwohl es ihn selbst nicht betrifft: Rüdiger Höfken warnt vor der „Radikalrasur“ der freien Kulturszene. Archiv

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Obwohl es ihn selbst nicht betrifft: Rüdiger Höfken warnt vor der „Radikalrasur“ der freien Kulturszene. Archiv

Krefeld. Eigentlich könnte sich Rüdiger Höfken zurücklehnen. Im Gegensatz zu vielen Kollegen in der freien Kulturszene kann der Leiter des Podio-Theaters die aktuelle Diskussion um Zuschüsse und Mieten gelassen betrachten. Seine Kleinkunstbühne trägt sich nahezu ohne städtische Unterstützung, auch die Miete für die neuen Räume in Königshof zahlt das Podio selbst. Sogar die Sanierung haben Höfken und Partnerin Betti Ixkes mit Hilfe des Vermieters aus Eigenmitteln gestemmt.

Für eine „lächerliche Summe“ wird viel Schaden angerichtet

Doch obwohl das Podio eine Art Gegenmodell zur öffentlich geförderten Kultur zu sein scheint, liegt es dem Kabarettisten Höfken fern, sich von den Kollegen zu distanzieren: „Die Pläne der Stadt können in manchen Bereichen zu einer existenziellen Bedrohung führen“, sagt er. „Kulturelle Angebote radikal zu rasieren, halte ich nicht für zielführend. Da wird für die relativ lächerliche Summe von 200 000 Euro viel Schaden angerichtet.“

Die Auslastung des Theaters liegt bei sensationellen 98 Prozent

Höfken weiß genau, dass es für die Sonderstellung des Podio gute Gründe gibt. Die liegen zum einen im Betätigungsfeld des kleinen Theaters. Neben einigen Eigenproduktionen laden Höfken und Ixkes vor allem Comedians und Kabarettisten in ihr Wohnzimmertheater und die benachbarte Kulturküche ein. Damit treffen sie offenbar genau den Geschmack ihres Publikums. Die Auslastung in dem kleinen Theater liegt bei rund 98 Prozent. Zum Vergleich: Das Stadttheater kam zuletzt auf 71 Prozent.

Entscheidend ist auch, dass Rüdiger Höfken die Bühne nur nebenbei betreibt und einem soliden Hauptberuf nachgeht. „Das Podio muss niemanden ernähren“, sagt er. „Wenn wir – wie viele Kollegen – von der Theaterarbeit leben müssten, wäre das vermutlich nicht möglich.“

Entsprechend kritisch beäugt Höfken die Pläne der Stadt, Vereine und Initiativen, die von der Kulturarbeit abhängig sind, künftig mit hohen Mieten zu belasten. Dennoch sei es zu begrüßen, dass die Zahlen über aktuelle Vergünstigungen oder Mietfreiheit nun öffentlich seien. „Es handelt sich dabei ja letztlich um verdeckte Förderung“, sagt Höfken. „Da wäre die Frage spannend, wer darüber entscheidet oder entschieden hat. Zumal ja einige Betreiber kleine Beträge zahlen und andere vollkommen mietfrei bleiben.“

Die Zuschüsse für die freie Kulturszene werden in diesem Jahr um ein Prozent gekürzt. Zunächst war von weitaus tieferen Einschnitten die Rede – dagegen hatte sich im Dezember breiter Protest formiert.

Die Stadt plant, von Initiativen aus Kultur, Sport, Sozialbereich und Brauchtum ortsübliche Mieten zu verlangen. Wie berichtet, würde das für viele Anbieter das endgültige Aus bedeuten.

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