Eine Demo für ihre Szene: Hunderte Teilnehmer sind am Samstag für mehr musikalische Vielfalt durch die City gezogen.

Eine Demo für ihre Szene: Hunderte Teilnehmer sind am Samstag für mehr musikalische Vielfalt durch die City gezogen.
Über den Ostwall ging es Richtung Kulturfabrik.

Über den Ostwall ging es Richtung Kulturfabrik.

Die Nachwuchsmusiker Kaspar Vennedey (l.) und Mats Schneid wurden von den Veranstaltern gefragt, ob sie nicht beim Metalwalk auftreten wollen.

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Über den Ostwall ging es Richtung Kulturfabrik.

Hunderte „gehörnte Hände“, oder aber auch sogenannte Pommesgabeln – das klassische Symbol der Metal-Szene – erheben sich am Samstag in die Krefelder Abendluft, als sich der Liedsänger der Band „Gloryful“ vom Bühnenwagen auf die Demonstrierenden zubewegt. Der Auftritt der Gelsenkirchener Band kommt gut an, ist allerdings nur Rahmenprogramm für ein übergeordnetes Anliegen. Denn im Rahmen des dritten Krefelder Metalwalks haben Musik- und insbesondere Metal-Begeisterte für mehr Nachwuchsförderung und gegenseitige Toleranz in der Musikszene ihrer Stadt demonstriert.

„Metal vereint vielleicht mehr als andere Musikrichtungen.“

Philip Wagener, Heavy-Metal-Fan

Heavy Metal für den guten Zweck: So beschreibt eine Teilnehmerin des Metalwalks den Grundcharakter der Demonstration. Sie ist eine von mehreren hundert „Metalheads“ (so nennen sich die Fans, Anmerkung der Redaktion), die vom Vorplatz des Krefelder Hauptbahnhofes durch die Krefelder Innenstadt ziehen, um ein Zeichen für mehr Vielfalt in der Musikszene zu setzen.

Hintergrund der Veranstaltung ist eine glückliche Entdeckung, die Organisator Gernot Hofmann vor drei Jahren in Hamburg gemacht hat. Dort inspirierten ihn unter anderem der „Schlagermove“ und weitere kulturell-musikalische Veranstaltungen dazu, ein ähnliches Event gepaart mit seinem Lieblingsgenre Heavy Metal in Krefeld zu konzipieren. Dabei gehe es allerdings nicht ausschließlich um ein Musikfestival, sondern auch um eine kulturpolitische Demonstration, sagt Hofmann.

Schon im Vorjahr propagierten viele für Proberäume

So wurde mit dem Umzug im vergangenen Jahr die Schaffung von günstigen Proberäumen für junge Bands propagiert. Um diese Intention auch in diesem Jahr hervorzuheben, durften im Rahmen des Vorprogramms mit Kasper Vennedey und Mats Schneid zwei Nachwuchsmusiker auftreten, die Dank des Aufrufs der Veranstaltung einen Proberaum für ihre Musik gefunden haben. Sie freuen sich zum ersten Mal vor einem großen Publikum zu spielen, erzählen sie.

Nachdem die Organisatoren sie zuvor bei einem kleineren Auftritt gesehen hatten, haben sie ihnen einen Auftritt beim Metalwalk angeboten, erzählt Kasper. Dass Kasper und Mats in einer Einrichtung in Fischeln kostenlos proben dürfen, bezeichnet Mats’ Mutter als wahren Glücksgriff. Daher sei es auch wichtig, dass mit der Demonstration ein Bewusstsein dafür geschaffen wird, junge Musiker zu unterstützen. Viele hätten diese Möglichkeit nämlich nicht. „Wichtig ist, dass es auch danach eine Debatte gibt, was konkret getan werden kann“, befindet Daniel Vennedey, Vater von Kasper. So könne die Demonstration letztlich Früchte tragen.

Doch zurück zum Metalwalk. Schon eine halbe Stunde vor Beginn des Umzuges, der vom Bühnenwagen der Band Gloryful über den Ostwall bis zur Kulturfabrik angeführt wird, füllt sich der Bahnhofsvorplatz mit Personen mit szenetypischen Bandshirts und schwarzen Kleidungsstücken. Bei der Hitze sorgen die Teilnehmer mit Wasserpistolen für kurze Abkühlung. Ein bisschen Spaß muss ja schließlich sein.

Jung und Alt treffen bei der Veranstaltung aufeinander

Die Begeisterung für die Musik kennt am Samstagabend zudem kein Alter. „Wir hören die Musik immer bei unserem Vater im Auto und finden sie klasse“, erzählt ein Mädchen im Grundschulalter. Für Stefan Sweekhorst steht der Metalwalk währenddessen für Vielfalt und Akzeptanz. Im vergangenen Jahr habe er den Marsch als Zuschauer gesehen, in diesem Jahr wollte er selbst dabei sein. „Toleranz, Kultur und Vielfalt der Musik spiegeln sich im Metalwalk wider“, sagt er.

„Metal vereint vielleicht mehr als andere Musikrichtungen“, kommentiert Philip Wagener, der ebenfalls zum ersten Mal an der Demonstration teilnimmt.

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