Die Verträge mit der Familie Lauffs sind unterschrieben. In einer Chronik blickt die WZ auf den dramatischen Kunst-Krimi zurück.

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Joseph Beuys im Jahr 1984 im Kaiser-Wilhelm-Museum.

Joseph Beuys im Jahr 1984 im Kaiser-Wilhelm-Museum.

Volker Döhne

Joseph Beuys im Jahr 1984 im Kaiser-Wilhelm-Museum.

Krefeld. September 2006: Erstes Unbehagen macht sich breit: Helga Lauffs zieht still und leise zwei Werke ihrer Sammlung aus dem Kaiser-Wilhelm-Museum ab. Unangemeldet steht eines Morgens eine New Yorker Kuratorin im Foyer, um die Bilder zu dokumentieren und für den Verkauf vorzubereiten. Wenig später erzielen Andy Warhols „Flowers“ und „Step-on Can with Leg“ von Roy Liechtenstein bei Sotheby’s hohe Millionenbeträge. Der Grund für den herben Kunst-Verlust: Die Stadt hat keine schriftlichen Leihverträge mit der Familie Lauffs.

Dezember 2006: Helga Lauffs äußert sich erstmals direkt – und ihre Worte klingen wenig verheißungsvoll. In einem Brief artikuliert sie ihre Sorge über den baulichen Zustand des Kaiser-Wilhelm-Museums und eine mögliche Gefährdung ihrer Werke.

Oktober 2007: Die Gerüchte über einen bevorstehenden Abzug der gesamten Sammlung verdichten sich. Experten und Politiker sind sich einig: Das wäre eine Katastrophe. Die 500 Werke der Pop- und Op-Art gelten als wichtigster Teil der Sammlung. Sie haben das internationale Renommee des Museums begründet.

November 2007: Nach Gesprächen im Rathaus ist klar: Die Familie Lauffs möchte zumindest Teile ihrer Sammlung aus Krefeld abziehen und auf dem überhitzten Kunstmarkt verkaufen. Gerüchte, dass die Arbeiten ans Kunstmuseum Wiesbaden wechseln, bestätigen sich nicht. Die Stadt kündigt an, speziell um den Beuys-Block kämpfen zu wollen – zur Not auch juristisch.

In einer Ausstellung nimmt Krefeld Abschied von der Sammlung

März 2008: Krefeld nimmt Abschied von der Lauffs-Sammlung: Wichtige Werke werden in der Ausstellung „Der große Wurf“ im Museum gezeigt. Parallel verlassen die ersten 40 Arbeiten Krefeld, darunter Robert Rauschenbergs „Slug“, Twombleys „The Castle“, große Werke von Yves Klein, Richard Long, Warhol, Claes Oldenburg und Gerhard Richter. Auch Indianas „Love“, das im Eingangsbereich im Treppenhaus hing, verschwindet. Die Arbeiten gehen an Galerien oder direkt zu Sotheby’s.

Sieben Arbeiten hat Joseph Beuys 1977 und 1984 im Kaiser-Wilhelm-Museum eigenhändig zusammengefügt.
 

Mit den Verträgen bekommt die Stadt die Arbeiten „Barraque D’Dull Odde“, „Hibernia“ und „Gundfana des Westens – Dschingis Khans Flagge“. Die Werke „Anschwebende plastische Ladung vor Isolationsgestell“ und „Fond IV/4“ werden dem Land überlassen. Zwei weitere Werke gehören ohnehin der Stadt.
 

Mai 2008: Die ersten 21 Werke kommen in New York unter den Hammer. Statt der geschätzten 47 Millionen erzielen sie 96 Millionen Dollar. Anfang Juli werden in London nochmals 38 Millionen Dollar erlöst.

Juni 2008: Die erste gute Nachricht seit langem: Die Stadt, das Land und die Familie Lauffs einigen sich, dass der Beuys-Block in Krefeld bleibt. Helga Lauffs will der Stadt drei Werke schenken. Das Land erhält zwei weitere Arbeiten und gibt diese als Dauerleihgabe nach Krefeld. Im Gegenzug bekommt die Familie einen Teil der Schenkungssteuer erlassen – 3,5 Millionen Euro.

September 2010: Der Deal droht zu scheitern, da Details des Vertrags ungeklärt sind und die Familie die Geduld verliert. Sie stellt ein Ultimatum an die Stadt. Per Dringlichkeitsbeschluss wird das Vertragswerk abgesegnet.

Dezember 2010: Helga Lauffs, Museumschef Martin Hentschel, Kulturdezernent Roland Schneider und hochrangige Vertreter des Landes unterzeichnen die Verträge in Düsseldorf – Ende eines dramatischen Kunst-Krimis.

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