Werke von John Cage, der einst eine Pause vertonte, sind nichts für Freunde von Logik und Sinn.

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In der Amtsstube des TAM werden Vogelstimmen verwaltet.

In der Amtsstube des TAM werden Vogelstimmen verwaltet.

In der Amtsstube des TAM werden Vogelstimmen verwaltet.

D. Jochmann, Bild 1 von 2

In der Amtsstube des TAM werden Vogelstimmen verwaltet.

Krefeld. Mit einem seiner Hausheiligen startet das Fischelner Theater am Marienplatz (TAM) ins neue Jahr. John Cage (1912-1992), Schöpfer von Stücken für präpariertes Klavier und Komponist des legendären „4’33’’“, das lediglich aus einer Pause besteht, hat oft Nicht-Musikalisches in die Musik integriert. Sein „Telephones and Birds“ besteht – wie der Titel sagt – aus Telefonansagen und Vogelstimmen. Drei Ausführende haben sie nach strengen Regeln erklingen zu lassen.

Die Nummern sind nach dem „Buch der Wandlungen“ zu behandeln

Hausherr Pit Therre, Gereon Bründt und Stefan Otto-Bach erledigen auf einer Bühne, die einer Amtsstube gleicht, mit beamtenhafter Gewissenhaftigkeit ihre Aufgabe. Die drei sitzen an Arbeitstischen, haben Papier und Stift zur Hand, dann ein Kästchen, aus dem sie Nummern ziehen. Den Anweisungen zum Stück ist zu entnehmen, dass das gezogene Nummern-Material nach den Regeln des chinesischen „I Ging“ („Buch der Wandlungen“) zu behandeln ist. Man kann es auch einfach sagen: Die drei verwalten den Zufall.

Die Dauer der Vogelstimmeneinspielungen scheint sich aus den gezogenen Zahlen abzuleiten. Die drei Akteure starren jedenfalls häufig auf eine Uhr, die im Vordergrund platziert ist. Aus sechs Lautsprechern erklingen Vogelstimmen und Telefonansagen. Letztere werden live über Handys abgerufen, mit Mikrofonen wird der Klang verstärkt.

Die drei Akteure agieren parallel oder nacheinander, eine Logik ist nicht zu erkennen. Ornithologen hätten sicher Freude daran, anhand der Stimmen die entsprechenden Vögel zu erkennen, der Laie kann höchstens verschiedene Erregungszustände mutmaßen. Die Telefonansagen, etwa die einer Bank oder eines Telefonsex-Anbieters, entfalten teils zufällige Komik. Ein Sinn erschließt sich nicht.

Jedenfalls wird kein Zuschauer nach der Performance Lust verspürt haben, noch an die Mosel zu fahren. Schließlich war unter den zur Zeit der Aufführung aktuellen 57 Staumeldungen des ADAC jene, die die Überflutung der Uferstraßen verkündete.

Weitere Vorstellungen am 14. und 21. Januar, jeweils 22 Uhr.

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