Johann König freut sich über das volle Seidenweberhaus, will aber in der „hochmodernen Event-Arena“ nicht mehr auftreten.

Johann König freut sich über das volle Seidenweberhaus, will aber in der „hochmodernen Event-Arena“ nicht mehr auftreten.
Gestikuliert gerne: Johann König, die depressive Stimmungskanone, bringt das Publikum im Seidenweberhaus zum Lachen.

Gestikuliert gerne: Johann König, die depressive Stimmungskanone, bringt das Publikum im Seidenweberhaus zum Lachen.

Dirk Jochmann

Gestikuliert gerne: Johann König, die depressive Stimmungskanone, bringt das Publikum im Seidenweberhaus zum Lachen.

Krefeld. Er ist seit 20 Jahren im Geschäft und sein Publikum weiß, was es von ihm erwarten darf. Da sind zunächst einmal seine helle, brüchige Stimme und die gekünstelte Nervosität. Er singt, allerdings ziemlich schräg, dichtet, liest vor oder schweigt ganz einfach. Sein Erfolgsprinzip ist seine Lethargie. Als „depressive Stimmungskanone“ wagt er den Spagat zwischen Arbeit und Familie. Und hält sein Leben für eine große „Milchbrötchenrechnung“, wie er sein neues Programm nennt.

Wenn der Comedian zum Haustyrannen wird

Zu Beginn kann er sich einen Kommentar zum Seidenweberhaus nicht verkneifen. „In dieser hochmodernen Event-Arena habe ich schon dreimal gespielt. Bereits beim ersten Auftritt dachte ich: Ich muss nicht wieder hierher. Jetzt bin ich schon wieder hier“, klagt er sein Leid mit breitem Grinsen. Wenn man Backstage Glamour erwarte, sei man hier verkehrt. Als nicht zu unterschätzende Entschädigung präsentieren ihm seine Fans dafür ein volles Haus.

Zu seiner Unterstützung hat er sich ein „knopfdruckgesteuertes Musikabspielgerät“ mitgebracht. Dann dreht er das Instrument zum Publikum und zeigt verschmitzt die durchnummerierten Tasten. Seinen Wort- und Sprachwitz entwickelt der 45-Jährige meist in längeren Geschichten. So erzählt er von seiner Frau und seinen Kindern, die ihn nach längerer Spielpause wieder zu Hause erdulden mussten. Dort entwickelt er sich zum wahren Haustyrannen, diktiert seiner Frau, wie man eine Spülmaschine effizient einräumt und die Hausarbeit effektiver gestaltet.

„Die drei Monate Pause waren für uns fünf sehr schön“, stellt er fest. „Besonders, wenn die drei kleinen Monster morgens aus dem Haus waren.“ Wenn er mit seinen „Blagen“ etwas unternimmt, entspricht das Ergebnis üblicherweise nicht seinen Vorstellungen. Bei einem Besuch im Zoo sei ihm klargeworden, dass nicht die Tiere Gegenstand des Interesses sind, sondern ein Kleingeld fressender Spendentrichter und ein Bollerwagen, mit dem man die „Brut“ durch den Tiergarten ziehen muss, weil diese sonst zu kreischen beginnt.

Unbehagen bereitet ihm darüber hinaus auch das Geschäft mit Bildern, die ein Fotograf am Eingang von Besuchern schießt und am Ausgang aufdringlich anbietet. Zum Umgang mit Tieren hat der in Köln wohnende Komiker ein spezielles Verhältnis. „Ich achte darauf, dass Tiere mit Respekt geschlachtet und Küken nicht einfach geschreddert werden. Ich habe kürzlich ein Aalbrötchen aus der Region gegessen.“

Seine Geschichten sind oft abstrus und belanglos und stellen seine Zuhörer nur selten vor intellektuelle Herausforderungen. Aber sie sind trotzdem lustig und unterhaltsam, auch wenn die richtigen Kracher fehlen.

Seine Weltreise mit einem Containerschiff ist da eher die Ausnahme, weil anspruchsvoll. Sie besticht durch eine dramatische Unkenntnis der Geografie – wirkt allerdings nur, wenn man über entsprechende Sachkunde verfügt. „Ihr müsst schon selbst wissen, worüber ihr lacht. Es ist Euer Leben“, gibt er seiner Fan-Gemeinde mit auf den Nachhauseweg.

Die bedankt sich mit Applaus, die der komische Mann mit einer Zugabe belohnt.

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