Der Pianist Sebastian Knauer und die Niederrheinischen Sinfoniker begeistern mit einem facettenreichen Abend.

Der Pianist Sebastian Knauer und die Niederrheinischen Sinfoniker begeistern mit einem facettenreichen Abend.
Sebastian Knauer gilt als einer der renommiertesten deutschen Pianisten.

Sebastian Knauer gilt als einer der renommiertesten deutschen Pianisten.

Andreas Bischof

Sebastian Knauer gilt als einer der renommiertesten deutschen Pianisten.

Das hat das Konzertprogramm wirklich nicht verdient: Es ist das am schlechtesten besuchte der laufenden Saison. Warum zieht ein italienischer Abend nicht das Publikum in Scharen ins Seidenweberhaus? Das sechste Sinfoniekonzert bietet ein Stück von Puccini, ein Klavierkonzert des vor allem als Filmmusikkomponisten bekannten Nino Rota (u.a. „La dolce vita“, „Der Pate“), dann zwei musikalische Entdeckungen von weniger bekannten Werken, die ebenfalls italienische Impressionen bringen. Zudem hat Generalmusikdirektor Mihkel Kütson mit Sebastian Knauer als Solisten des Abends einen der renommiertesten deutschen Pianisten eingeladen. Der Saal ist am Dienstagabend geschätzt halbleer.

Perfektes Kräfteverhältnis zwischen Solist und Orchester

Giacomo Puccinis (1858–1924) Preludio sinfonico op. 1 eröffnet mit einem zarten, leicht melancholischen Thema das Konzert. In feinen Nuancen wird dies abgewandelt und die Niederrheinischen Sinfoniker können es mal schwärmerisch, mal tänzerisch wiegend präsentieren. Sie lassen Raum für viele Assoziationen der Klangbilder. Man kann rätseln, was die kurzen dramatisch monumentalen Klänge bedeuten mögen. Dann schwelgen sie wieder in zarten Klängen mit einem fein ausgewogenem Spiel, so dass die Harfe mit ihrem Part gut zur Geltung kommt. Mit einem leisen zarten Klaviersolo beginnt auch das Klavierkonzert e-Moll „Piccolo mondo antico“ von Nino Rota (1911-1979).

Die Niederrheinischen Sinfoniker spinnen diesen Faden weiter. Es zeigt sich ein perfekt ausgewogenes Kräfteverhältnis zwischen dem Orchester und dem Solisten am Flügel. In seinen Solopartien und den Kadenzen begeistert Knauer mit einer filigranen Virtuosität. Seine Läufe in atemberaubendem Tempo perlen mit einer herrlichen Leichtigkeit. Im zweiten Satz Arietta con variazioni. Andantino cantabile schimmert Filmmusik durch und lässt Bilderfolgen und Szenen vor dem inneren Auge entstehen – Kopfkino der feinsten Art und das in einem behutsamen wie ausgewogenen Miteinander aller Musiker.

Temperamentvolle bis dramatische Klangbilder folgen im dritten Satz, der sich rasant seinem Ende nähert. Ein begeisterter Applaus kann da nicht ausbleiben. Knauer bedankt sich mit einer kurzen Zugabe von Bernstein. Es sind minimalistische Klänge, bei denen er jeden Ton zelebriert – man wagt in dieser Atmosphäre, kaum zu atmen.

Aufgewühlt beginnt nach der Pause der zweite Teil des Konzertabends mit Bohuslav Martinu (1890-1959) und „Les Fresques de Piero della Francesca“. Der Komponist will keine Bildbeschreibungen der Fresken liefern, sondern dem Zuhörer seine Emotionen bei der Betrachtung der Wandgemälde aus der Renaissance mitteilen. Man hört die Bewunderung großartiger Malerei, dann wieder ein Sinnieren über das Dargestellte. Das Orchester bringt dies sehr anschaulich in den Saal. Für andere Variationen italienischer Momente sorgt das letzte Werk des Abends: Italia. Rhapsodie op. 11 von Alfredo Casella (1883-1947). Es beginnt zunächst pompös mit einer eher düsteren Stimmung inklusive Donnergrollen in der Ferne.

Aus dieser Atmosphäre erhebt sich eine melancholische Melodie, die fließend in eine der bekanntesten italienischen Volksweisen übergeht. Mit „Funicula“ kommt ein Ohrwurm, der teils verfremdet wird, teils im Original erklingt. Temperament und Lebensfreude fehlen nicht.

Ein endloser Applaus beendet den facettenreichen italienischen Abend, das Orchester applaudiert seinem Dirigenten, dieser wiederum retour und das Publikum ist nicht minder begeistert.

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