Die große Krefelder Textilkünstlerin Hildegard von Portatius ist im Alter von 93 Jahren gestorben.

Krefeld. Wohin die Fantasie sie auch trug - die Farbe war schon da.

"Seit meiner Kindheit sind alle meine Erinnerungen mit Farbe verbunden", hat Hildegard von Portatius vor Jahren in einem Interview für das Buch "Zeitgenossinnen" erzählt.

"Ich erinnere mich, dass ich Blüten von Schnittlauch gegessen habe, nur weil sie so schön lila waren, oder an leuchtend rote Nelken in meiner Augenhöhe oder an das rote Blut, das meinem Bruder aus dem Ellbogen lief. Ich war zwei Jahre alt und weiß das noch genau. Farbe ist mein Lebenselixier."

Dieser stete kreative Quell ist nun versiegt, er wird in den Werken der Künstlerin weiterleben. Hildegard von Portatius ist am 29. August mit 93 Jahren verstorben. Das teilte der Verein Kunst und Krefeld am Freitag mit.

Die Textilkünstlerin ist in der Samt- und Seidenstadt Krefeld eine Institution gewesen. 1952 war sie mit ihrer Werkstatt nach Krefeld gezogen und hat hier bis zu ihrem Tode gelebt. Sie arbeitete eng mit der damaligen Werkkunstschule zusammen.

Geboren wird Hildegard von Eichel am 21. Dezember 1915 in Weimar. Ihre Mutter entstammt der Krefelder Textildynastie der von der Leyens.

Von Weimar kam Hildegard von Portatius über Hessen und Neukirchen-Vluyn nach Krefeld. Hier feierte sie mit ihrer Weberei erste große Erfolge.

Ihre letzte große Einzelausstellung hatte sie bei Kunst und Krefeld, Girmesgath. Sie starb am 29. August mit 93 Jahren.

1983 erhielt sie den Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen, 1996 zeigte das Deutsche Textilmuseum in Linn eine Retrospektive mit ihren Bildteppichen.

Wie eine Malerin mischte Hildegard von Portatius ihre Farben

Ihre letzte große Einzelausstellung richtete Kunst und Krefeld im Jahr 2006 aus. Die dort gezeigten Teppiche bestachen durch ihre wunderbar komponierte Farbigkeit.

Eine Rezensentin der WZ, die in Hildegard von Portatius "eine wahre Meisterin ihres Fachs" erkannte, schrieb: "Wie ein Maler seine Farben mischt, so mischt auch die Künstlerin virtuos die hauchdünnen, kostbaren Fäden, was zu feinsten Abstufungen und Nuancen führt."

Im Alter hat die Textilkünstlerin jene Meisterschaft erreicht, die wohl nur durch ein ganzes Leben an Erfahrung entsteht. Die Liebe zum Textilen, besonders zur Seide, wurde ihr sprichwörtlich in die Wiege gelegt.

Von mütterlicher Seite ist Hildegard von Portatius eine von der Leyen. Als Hildegard von Eichel am 21. Dezember 1915 in Weimar geboren, erhielt sie dort ab 1933 eine Ausbildung in Handweberei.

Ihre erste eigene Werkstatt gründete sie nahe ihrer Geburtsstadt in Isseroda. 1937 heiratete sie den Leutnant Hans-Georg von Portatius. Am gleichen Tag im Mai 1940, an dem er im Krieg fiel, wurde ihre zweite gemeinsame Tochter geboren.

Der berufliche Aufstieg der Hildegard von Portatius begann im Anschluss an die harten Nachkriegsjahre. Mit ihrer Weberei an der Leyentalstraße eroberte sie als Unternehmerin den Markt.

Der Erfolg ermöglichte ihr, sich im Alter ihren geliebten Handteppichen zu widmen. Die Farben, die sie dafür brauchte, mischte sie wie eine Malerin selbst - den richtigen Ton hat sie wohl stets im eigenen Kopf gefunden.

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