Das Theater Blaues Haus in Hüls wird sesshaft: Ende des Jahres eröffnet an der Kauffmansstraße eine eigene Spielstätte.

Stella Jabben, Volker Schrills und ihre Puppen bauen das „Blaue Haus“ zur festen Spielstätte um.
Stella Jabben, Volker Schrills und ihre Puppen bauen das „Blaue Haus“ zur festen Spielstätte um.

Stella Jabben, Volker Schrills und ihre Puppen bauen das „Blaue Haus“ zur festen Spielstätte um.

Dirk Jochmann

Stella Jabben, Volker Schrills und ihre Puppen bauen das „Blaue Haus“ zur festen Spielstätte um.

Krefeld. Noch herrscht Chaos, so weit das Auge reicht: Bauschutt, Kabel und Werkzeuge liegen herum, dazwischen Puppenköpfe, Kostüme und diverse Requisiten. Doch Stella Jabben und Volker Schrills sind zuversichtlich, dass die Baustelle pünktlich verschwindet: Das Ehepaar will Anfang November sein eigenes Puppentheater an der Kauffmansstraße in Hüls mit einem mehrtägigen Festival eröffnen. "Es gibt kein Zurück", sagt Jabben. "Die ersten Kollegen sind fest gebucht."

"Viele Menschen verbinden mit Puppentheater das infantile Kasperle-Theater. Das ist ein längst überholtes Vorurteil."

Volker Schrills, Theatermacher

Unter dem Namen Theater Blaues Haus ist das Puppenspieler-Paar mit seinen Inszenierungen seit Jahren im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus unterwegs. "Doch es war immer unser Traum, eine eigene Spielstätte zu haben", erklärt Volker Schrills. "Wir haben zwei Kinder, sind oft tagelang auf Tournee. Es ist gar nicht so einfach, das mit der Familienlogistik zu vereinbaren."

Kennen- und sofort lieben gelernt haben sich der gebürtige Meerbuscher und die Wuppertalerin vor rund zehn Jahren im Forum Wasserturm in Meerbusch. Die Bühne als Plattform für Amor - das ist die einzig logische Konsequenz, wenn man sich die Biografien der beiden anschaut.

Schrills entdeckte seine Leidenschaft während eines Praktikums am Puppentheater Düsseldorf. "Davor hatte ich mit dieser Kunstform und auch mit Theater an sich nichts zu schaffen", erinnert sich der 39-Jährige. "Aber ich war sofort Feuer und Flamme und wollte seitdem nichts anderes mehr machen."

Stella Jabben hat es dagegen schon immer auf die Bühne gezogen. "Ich habe in einem kleinen Kölner Theater vor und hinter dem Vorhang alles kreuz und quer ausprobiert - für sehr wenig Geld natürlich" sagt die 40-jährige studierte Kulturpädagogin. "Aber erst durch meinen Mann habe ich entdeckt, dass ich im Puppenspiel meine beiden Steckenpferde Theater und bildende Kunst verbinden kann."

Stella Jabben und Volker Schrills bauen die ehemalige Kneipe an der Kauffmansstraße 36 in Eigenregie um - ohne öffentliche Förderung. Deshalb würden sie sich über Unterstützung von Sponsoren freuen.

Das Theater Blaues Haus ist unter Ruf 02151/566 25 67 erreichbar.

Bevor Jabben und Schrills 2005 nach Krefeld zogen, nannten sie in Heinsberg ein schönes, geräumiges Haus ihr Eigen. "Doch das war die kulturelle Diaspora", sagt Schrills. "Es war unglaublich schwer, dort etwas auf die Beine zu stellen." Deshalb machte sich das Paar auf die Suche nach einer neuen Bleibe. In das blaue Eckhaus von 1902, das früher eine Hülser Kneipe war, haben sie sich auf den ersten Blick verliebt. Für den Neuanfang musste auch ein neuer Name her: "Und der lag ja quasi auf der Hand", sagt Jabben.

Der Filmklassiker "Harold und Maude" wird zum Puppentheater

Momentan entsteht in Hüls in Zusammenarbeit mit dem Figurentheater Dornerei das erste Abendprogramm nur für Erwachsene. Die Vorlage: der Filmklassiker "Harold und Maude" von 1976. "Viele Menschen verbinden mit Puppentheater das infantile, platte Kasperle-Theater", berichtet Schrills. "Aber das ist ein längst überholtes Vorurteil."

Schrills und Jabben arbeiten immer mit Regisseuren zusammen, "damit der objektive Blick von außen gewahrt bleibt". Ansonsten kümmern sie sich von der ersten Idee bis zur Umsetzung um alles selbst: "Von der Schenkelklopfkomödie bis zum modernen Existenzialismus ist alles möglich", sagt Jabben.

Die Arbeit mit den Puppen ist schweißtreibend: "Handpuppen machen Muckis", erzählt Jabben. Und manchmal müssen die Spieler um ihre Contenance kämpfen. "In der Weihnachtszeit gab es so eine Situation", erinnert sich die Künstlerin. Da wurde in einem Stück thematisiert, dass alle Männer gern gemütlich Zeitung lesen. Ein Junge aus dem Publikum rief laut dazwischen: "Stimmt, Papa auch - am liebsten auf dem Klo."

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