Sherrie Levine spielt mit „falschen Originalen“ mit dem kulturellen Gedächtnis.

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Dieses Tierskelett hat ein doppeltes Rückgrat.

Dieses Tierskelett hat ein doppeltes Rückgrat.

Dirk Jochman

Dieses Tierskelett hat ein doppeltes Rückgrat.

Krefeld. Damals war die Kunstszene noch leicht zu schockieren: Vor gut 30 Jahren sorgte Sherrie Levine für Kopfschütteln, Wut und Furore, indem sie bekannte Werke abfotografierte oder aus Büchern fotokopierte, um sie anschließend zu rahmen und selbst auszustellen. "Ein radikaler Akt, der bis heute unübertroffen ist", findet Martin Hentschel, Direktor der Krefelder Kunstmuseen.

Die Arbeiten irritieren erst auf den zweiten Blick, einige verstören sogar

Heute gehört Levine längst zu den wichtigsten Vertretern amerikanischer Konzeptkunst, und Hentschel kann stolz darauf sein, sie an den Niederrhein geholt zu haben. Im Museum Haus Lange sind ab Sonntag ihre Skulpturen aus den Jahren 1992 bis 2009 zu sehen. Da es allesamt skurrile Paare oder Gruppen sind, heißt die Schau "Pairs and Posses".

Es gehört zu Levines Prinzipien, ihre Objekte nicht selbst zu modellieren. Sie greift auf vorhandenes Material zurück und dupliziert dessen Form in Glas oder Bronze. Dabei entstehen makellos schöne Objekte, die ausgestellt in hölzernen Vitrinen noch edler und kostbarer wirken.

Doch die glänzende Oberfläche ist nur Blendwerk. Auf den zweiten Blick irritieren die Arbeiten, manche verstören sogar. Ein Tierskelett mit doppeltem Rückgrat und zwei Köpfen wirkt, als spuke es nachts durch die Räume. Vielleicht trifft es dabei auf die drei Furien, bizarr geformte, in Bronze gegossene Holzstücke, die durch Levines Kunstgriff zu obskuren Dämonen werden. Im gleichen Raum lässt sie drei Sparschweine zum Gänsemarsch antreten - auch Humor scheint ihr nicht fremd zu sein.

Dahinter stecken stets Fragen nach Kunst und Kitsch, Original und Fälschung. Levines Holzschuhe verweisen auf van Gogh, ihre Gartenzwerge eher auf Disney und deutsches Spießbürgertum. Die 63-jährige Künstlerin, die sich "vom Original nicht tyrannisieren lassen" will, verwandelt die fremden Federn in ein eigenes Kleid, sie spielt mit unserem kulturellen Gedächtnis und konfrontiert uns mit der ewig jungen Frage, wo zum Teufel eigentlich Kunst beginnt.

Museum Haus Lange, Wilhelmshofallee 91-97, Krefeld. Eröffnung Sonntag, 11.30 Uhr. Di.-So., 11-17 Uhr.

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