Drei geflüchtete Autorinnen lesen im Literaturhaus aus ihren Texten.

Drei geflüchtete Autorinnen lesen im Literaturhaus aus ihren Texten.
Ihre Erfahrungen verarbeiteten (v.l.) Rasha Habbal, Lina Atfah und Widad Salloum in ihren Texten.

Ihre Erfahrungen verarbeiteten (v.l.) Rasha Habbal, Lina Atfah und Widad Salloum in ihren Texten.

Dirk Jochmann

Ihre Erfahrungen verarbeiteten (v.l.) Rasha Habbal, Lina Atfah und Widad Salloum in ihren Texten.

Im fast ausverkauften Niederrheinischen Literaturhaus Otto Brües waren jetzt drei Autorinnen, aus Syrien geflüchtet, zu Gast. Das Frauenkulturbüro hatte sie zum Lesen neuer Texte eingeladen. Das taten sie zunächst in ihrer Sprache. Dann las die Islamwissenschaftlerin und Übersetzerin Larissa Bender die Texte auf Deutsch. Die sehr aufmerksamen Zuhörer tauchten damit in eine sehr dichte Atmosphäre ein. Denn die Autorinnen verbinden in ihren Texten althergebrachte poetische Tradition mit ihren Lebenserfahrungen in Syrien, auf der Flucht und in Deutschland. So wunderte es nicht, dass viele Gefühle spürbar waren, ein paar Tränen flossen und dass auch gelacht wurde.

Allen drei Frauen gemeinsam sind die Wehmut, die Traurigkeit, die Sorge um die zurückgebliebenen Verwandten und die Hoffnung auf eine Verbesserung der Lage. Moderatorin Rita Thies, vielen noch bekannt aus ihrer Zeit im Krefelder Stadtrat, sprach auch von der inneren Zerrissenheit dieser Frauen. Sie sind hier angekommen, wissen aber noch nicht, ob sie bleiben können und wünschen sich eine Rückkehr in ein besseres Land. Gemeinsam ist ihnen auch, dass das Schreiben ihnen ein Ventil für den starken Lebensdruck bedeuten kann. Mit dem Handwerkszeug der eigenen Sprache können sie ihrem Schicksal begegnen.

Sie lassen beim Lesen auch ihre Hände sprechen

Die Übersetzung dieser Texte hat das Frauenkulturbüro ermöglicht. Denn vor genau einem Jahr kamen im Literaturhaus in Köln mehrere geflüchtete Autorinnen aus arabischen Ländern zusammen und tauschten sich über ihre Situation aus. Ein Ergebnis dieses Symposiums ist ein Buch mit knapp 100 Seiten. Das Ungewöhnliche daran: Die eine Hälfte liest sich von der einen Seite, die zweite von der anderen. Auf weißem Papier sind Ergebnisse der Tagung zu lesen. Auf leicht orangefarbenem Papier sind Texte von exilierten Autorinnen aus dem arabischen Sprachraum zu lesen. In Krefeld lasen Lina Atfah (*1989), Rasha Habbal (*1982) und Widad Salloum (*1969) aus ihren eigenen Texten. Alle drei ließen beim Lesen auch ihre Hände sprechen.

Das melodiöse Arabische war für die meisten der Zuhörer ein ungewohnter Klang. Lina Atfah, die jüngste der drei Autorinnen, hat jetzt den „Kleinen Hertha Koenig-Preis“ des Pendragon Verlags zugesprochen bekommen. Rasha Habbal, die Lyrik und Prosa schreibt, erhielt die mit einem Stipendium verbundene Auszeichnung „Torschreiber Pariser Platz“. Widad Salloum schließlich, erst seit zwei Jahren in Deutschland, veröffentlicht regelmäßig in einer Bedburger Zeitung. Sie schreibt auf Arabisch, übersetzt ins Englische und wird dann ins Deutsche übertragen. Das Buch „Mit anderen Worten“ öffnet neue Welten – überaus lesenswert. Es ist beim Frauenkulturbüro in Krefeld gegen eine Schutzgebühr von fünf Euro erhältlich. Bürozeiten von 9 bis 17 Uhr, gerne vorher per E-Mail anfragen: info@frauenkulturbuero-nrw.de. chs

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