Zur szenischen Uraufführung von „sie werden mir zum rätsel, mein vater“ kam Avantgarde-Autor Gerhard Rühm nach Fischeln.

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TAM-Hausherr Pit Therre (rechts) und Autor Gerhard Rühm kennen sich lange. Am Freitag begegneten sie sich mal wieder in Fischeln.

TAM-Hausherr Pit Therre (rechts) und Autor Gerhard Rühm kennen sich lange. Am Freitag begegneten sie sich mal wieder in Fischeln.

Andreas Bischof

TAM-Hausherr Pit Therre (rechts) und Autor Gerhard Rühm kennen sich lange. Am Freitag begegneten sie sich mal wieder in Fischeln.

Krefeld. Gerhard Rühm, Literat, Komponist und Künstler, ist im Kosmos der Avantgarde des 20. Jahrhunderts nicht irgendwer. Er gilt als Hauptvertreter der Konkreten Poesie und ist Mitbegründer der legendären „Wiener Gruppe“. Am Freitag kam er zur szenischen Premiere des als Hörspiel konzipierten Stücks „sie werden mir zum rätsel, mein vater“ ins Theater am Marienplatz.

Der Wahl-Kölner Rühm ist Co-Autor des Werks, er hat es mit Konrad Bayer zusammen verfasst. Die Erstausstrahlung als Hörspiel erfolgte im Dezember 1968 beim WDR, Regie führte Klaus Schöning, Wegbereiter für das sogenannte Neue Hörspiel.

Das TAM hat seine Fassung als Uraufführung angekündigt. Und Hausherr Pit Therre fühlte sich darin von Rühm bestärkt, der sich an eine theatrale Aufführung nicht erinnern kann. Der zuständige Theaterverlag benennt allerdings eine Uraufführung in Wien.

Damit wäre die TAM-Inszenierung „nur“ eine deutsche Erstaufführung, was dem Vergnügen keinen Abbruch tut, das man an dieser „grotesken Komödie“ haben kann.

Der Sohn soll die Tonleiter singen oder nur den Ton, der fehlt

Ein Zimmer, markiert durch eine Tür, ein Fenster, mehrere Stühle und einen Tisch – das ist der Spielort. Therre mimt den mürrischen Vater Abraham in langem Hausmantel, aber mit keckem Damenhütchen, Dieter Kaletta ist der mit Baseballkappe ausgesprochen bunt kostümierte Sohn. Das Alter der Figuren wird mit 40 beziehungsweise 21 Jahren benannt. Dass beide Spieler deutlich ihre Lebensmitte überschritten haben, wirkt alleine schon komisch.

Ein Vater-Sohn-Konflikt ist Motor des Stücks. Der Vater ist Organist, was er vom Sohn will, fasst dieser trotzig in dem einen Wort „Orgel“ zusammen. Aber er soll auch noch eine Tonleiter singen oder nur den Ton, der wegen einer defekten Taste fehlt. Der Sohn aber schwingt lieber Reden, Kaletta amüsiert mit Hitler-, Kohl- und Kölschparodien.

Der Text ist gemäßigt modern. Teils entwickelt er sich durch assoziative Wortfeld-Erkundungen gewissermaßen aus sich selbst, teils ist er Collage und absurde Überzeichnung. Die TAM-Inszenierung übersetzt das in eine karikaturhafte Verzerrung, selten hat man hier in letzter Zeit so viel gelacht.

17., 24., 31. Januar, jeweils 22 Uhr.

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