Meditation mit The Gregorian Voices in der Friedenskirche.

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Eine Herausforderung für den Fotografen: Im abgedunkelten Kirchenraum singen fast unbeweglich The Gregorian Voices.

Eine Herausforderung für den Fotografen: Im abgedunkelten Kirchenraum singen fast unbeweglich The Gregorian Voices.

Dirk Jochmann

Eine Herausforderung für den Fotografen: Im abgedunkelten Kirchenraum singen fast unbeweglich The Gregorian Voices.

Krefeld. Die Friedenskirche ist dunkel, nur das Chorgewölbe wird durch zwei Scheinwerfer in ein schwaches violettes Licht gehüllt. Gebannte Stille breitet sich aus im gut gefüllten Kirchenraum.

Durch die düstere Umgebung schreiten sieben Sänger, in dunkle Mönchskutten mit großen Kapuzen gehüllt. Mit diesem Konzertbeginn schaffen The Gregorian Voices eine mystische Atmosphäre – eine Art blitzschneller Zeitreise, nachdem das Licht erloschen ist.

Der neugotische Kirchenraum fühlt sich tausend Jahre älter an

Sie stellen sich im Halbrund hinter ihren Notenständern auf. Der dirigierende Sänger gibt die Anfangstöne des ersten Lieds vor, und aus diesen entwickelt sich – wie aus der Tiefe eines Raumes oder aus der Ferne kommend – der Gesang der sieben.

Die lang anhaltenden Töne, die die Melodie begleiten, wirken wie eine Aufforderung zur Meditation. Die Atmosphäre fasziniert: Der neugotische Kirchenraum scheint gleich tausend Jahre älter und man fühlt sich in das frühe Mittelalter versetzt.

Für den ersten Teil ihres Konzerts haben die russischen Sänger gregorianische Gesänge, aber auch Lieder der russisch-orthodoxen Kirche ausgewählt. Bei ihrem Vortrag lenkt nichts ab, sie bewegen sich nicht. Es ist purer Gesang ohne Schnörkel, klare, eindrucksvolle Stimmen, meisterhaft im Decrescendo. Wie sie es schaffen, den Gesang leiser werden zu lassen, ins Ferne zu entrücken, das hat eine Perfektion, die von einem äußerst eingespielten Team zeugt.

Ursprünge Der gregorianische Gesang hat seinen Ursprung in den liturgischen Gesängen der katholischen Kirche. Namensgeber für den einstimmigen Vortrag von sieben Sängern ist Papst Gregor I. (um 600 n. Chr.).

Entwicklung Anfangs gab es noch keine Takteinteilung, der Text bestimmte den Rhythmus und Verlauf der Melodie. Ab dem 10. Jahrhundert kennt man Liedtexte mit Neumen, einer ersten Notenschrift ohne Notenlinien.

In der zweiten Hälfte ihres Auftritts bieten sie Klassiker der Kirchenmusik und Popsongs, die im Stil des Gregorianischen Gesangs arrangiert werden. Dabei entstehen interessante Klangschöpfungen, die das Publikum begeistert mit Applaus honoriert, nachdem es dies nach dem letzten Gesang endlich darf.

Die Sänger honorieren das Lob mit zwei Zugaben und machen dabei deutlich, dass ihr Kirchengesang, der sich an historischen Vorbildern orientiert, der bessere Teil des Programms war.

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