Mudar Alhaggi hat das Stück „Deine Liebe ist Feuer“ geschrieben, Rafat Alzakout inszeniert es. Am Freitag ist Premiere.

Szenen und Erfahrungen aus dem Krieg in Syrien werden am Freitag in die Fabrik Heeder geholt.
Szenen und Erfahrungen aus dem Krieg in Syrien werden am Freitag in die Fabrik Heeder geholt.

Szenen und Erfahrungen aus dem Krieg in Syrien werden am Freitag in die Fabrik Heeder geholt.

Matthias Stutte

Szenen und Erfahrungen aus dem Krieg in Syrien werden am Freitag in die Fabrik Heeder geholt.

Die Front des syrischen Krieges verläuft am kommenden Freitag direkt in der Studiobühne der Fabrik Heeder an der Virchowstraße im Krefelder Süden. Mit der Premiere von „Deine Liebe ist Feuer“ präsentiert das Theater Krefeld-Mönchengladbach die deutschsprachige Erstaufführung des syrischen Theaterstücks von Mudar Alhaggi.

Seit es im vergangenen Mai im Rahmen der Ruhrfestspiele Recklinghausen in seiner arabischen Originalfassung uraufgeführt wurde, tourt das Erfolgsstück durch die ganze Welt. Es geht nach Edingburgh und es gibt Einladungen nach San Francisco und China.

„Nar“ ist Feuer und Hölle zugleich

Das expressive Stück handelt von drei jungen Menschen, die zwischen den Frontlinien des syrischen Krieges gefangen sind und versuchen, ihre Zukunft zu bewältigen. Dabei durchdringt der Krieg von außen auch ihre Beziehungen zueinander, zerfrisst und verbrennt sie, wie das Feuer im Titel des Stücks, der übrigens einem ägyptischen Schnulzensong entlehnt ist, passend andeutet. Das arabischen Wort „Nar“ für Feuer bedeutet ebenfalls Hölle.

In der sich über 90 Minuten emotional zuspitzenden Hölle der Eingeschlossenen stockt die Handlung immer wieder, gerät in Sackgassen, spiegelt die Hilflosigkeit der durch den Krieg gequälten Protagonisten. In diese Erzählebene wird noch die Ebene des Autors verwoben, der gerade in einem deutschen Flüchtlingslager festsitzt.

In einem dramaturgischen Wendepunkt der Geschichte, in der er das Schreiben einstellt, wenden sich seine Figuren flehentlich an ihn, bis er schließlich direkt in die Welt seiner Erzählfiguren eintaucht und zunehmend verloren darin herumirrt. Es ist eine Welt seiner Imagination, die zugleich Zeit und Nicht-Zeit symbolisiert.

Wie bei der arabischen Uraufführung führt der junge Syrer Rafat Alzakout auch in der in Krefeld aufgeführten Bühnenfassung des Stücks die Regie. Alzakout wurde 1981 in Damaskus geboren. Seit dem Jahr 2015 lebt und arbeitet der Syrer in der Hauptstadt und ist mit einer Deutschen verheiratet.

Publikum nimmt unmittelbar an dem Überlebenskampf teil

Er lässt das Ensemble in einem kahlen, bis auf das Nötigste reduzierten Raum agieren, der auf drei Seiten von Zuschauerreihen umschlossen wird. Er möchte so dem Publikum in größtmöglicher Unmittelbarkeit die Nöte und den Kampf ums Überleben seiner Darsteller nahebringen und damit auch deren Eingeschlossensein versinnbildlichen. Auf einer rückliegenden Wand wird es Video-Projektionen geben, die das Geschehen thematisch ergänzen.

Während für das syrische Ensemble der Uraufführung die traumatische Bewältigung eigener Kriegserlebnisse die Probenarbeit maßgeblich prägte, bestand für die Krefelder Schauspieler die besondere Herausforderung darin, sich in die emotionale Befindlichkeit von Menschen in einem Krieg einzufühlen.

Neben dem bewährten Adrian Lincke in der Rolle des heimatlosen Autors sowie Philipp Sommer, der schon seit einer Spielzeit am Theater Krefeld-Mönchengladbach engagiert ist, werden zwei neue Ensemblemitglieder mitspielen: Carolin Schupa und Vera Maria Schmidt.

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