Ein Kunstwerk löst sich auf: Nach knapp fünf Monaten wurden die Findlinge im Garten von Haus Esters abtransportiert.

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Teils in Handarbeit, teils mit schwerem Gerät wurden die Felsbrocken aus dem Garten von Haus Esters geholt – und hinterließen dabei tiefe Furchen im Rasen.

Teils in Handarbeit, teils mit schwerem Gerät wurden die Felsbrocken aus dem Garten von Haus Esters geholt – und hinterließen dabei tiefe Furchen im Rasen.

Dirk Jochmann

Teils in Handarbeit, teils mit schwerem Gerät wurden die Felsbrocken aus dem Garten von Haus Esters geholt – und hinterließen dabei tiefe Furchen im Rasen.

Krefeld. 1714 Findlinge ließ die Künstlerin Alicja Kwade im vergangenen Herbst im Garten von Haus Esters einschlagen. Ein künstlerisches Sinnbild für gefährliche Asteroiden, die laut Berechnungen der Nasa irgendwann auf die Erde prallen könnten.

Nun hat der nicht ganz einfache Abtransport der Felsbrocken begonnen. Ein neuerliches Bildnis? Vielleicht für den technischen Aufwand, mit dem künftig reale Einschläge vorausgesagt und verhindert werden sollen? Oder ein Gleichnis für den immerwährenden Kampf des Menschen gegen die Naturgewalten?

Ein Sieben-Tonnen-Brocken liegt unnachgiebig auf seinem Platz

Über die anhaltende Bedeutung der eindrucksvollen Installation macht sich Mark Krahnen am Dienstagmorgen keine Gedanken. Er und sein Mitarbeiter haben genug damit zu tun, die Felsbrocken aus dem Garten zu bewegen. „Wir haben die Steine letztes Jahr hier reingefahren, und jetzt holen wir sie wieder ab“, sagt der Garten- und Landschaftsbau-Unternehmer knapp und zutreffend.

Doch ganz so einfach lässt sich der rund sieben Tonnen schwere Felsbrocken im hinteren Gartenbereich nicht überzeugen. Er steht schwer und unnachgiebig auf seinem Platz.

Selbst das schwere Gerät, bestehend aus einem kleinen Raupen-Bagger und einem großen Frontlader mit Spießaufsatz, kommt ins Stöhnen. Der Kampf zwischen Maschine und tonnenschwerem Stein beginnt.

Alicja Kwade, geboren 1979 in Kattowitz (Polen), lebt und arbeitet in Berlin. Sie hat in Hamburg, Berlin, Hannover, Bremerhaven und weiteren Städten ausgestellt. 2008 erhielt sie den Piepenbrock-Förderpreis für Skulptur.

Ihre Ausstellung „Grad der Gewissheit“ lief seit September. Am 16. Februar ging sie zu Ende.

Der Katalog zur Ausstellung mit vielen Fotos ist noch an der Museumskasse erhältlich.

Der Frontlader fährt mit seinem Zwei-Spieß-Aufsatz unter den Siebentonner. Doch das Anheben lässt die Baumaschine ächzen, und die Hinterreifen heben ab. Um den Frontlader zu beschweren und das Schwerkaliber doch noch in die Höhe zu bekommen, wird die Schaufel des kleinen Raupenbaggers an das Hinterteil des großen Frontladers gekettet. Unter der vereinten Maschinen-Kraft gibt das Ungetüm schließlich nach.

Meter um Meter geht das skurrile Schauspiel weiter. Mal wird der Stein gezogen, mal über den feuchten Boden gerollt. Hier und da splittern Teile des Ungetüms ab. Ein zäher Kampf, der auch auf dem Rasen Spuren hinterlässt. Die Wiese des Gartens trägt schon nach einer Stunde tiefe Furchen. „Da säen wir einfach neu aus“, sagt die stellvertretende Direktorin der Krefelder Kunstmuseen, Sylvia Martin, die den Abtransport überwacht.

Unter der sprießenden Wiese werden die Spuren von Kwades Ausstellung „Grad der Gewissheit“ bald verschwunden sein. Ihr künstlerisches Kratzen an dem menschlichen Glauben, mit Hilfe von Wahrscheinlichkeit und technischem Fortschritt, die Naturgewalten in den Griff bekommen zu können, bleibt im Gedächtnis. Und ist vielleicht ähnlich schwer aus dem Kopf zu bekommen wie ein sieben Tonnen schwerer Felsbrocken aus dem Garten von Haus Esters.

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