Mit Werken von Schubert und Chopin begeistert der Pianist Gerrit Zitterbart sein Publikum auf Burg Linn.

silvesterserenade
Gerrit Zitterbart im Rittersaal: Der Pianist gab lehrreiche Einführungen in die ausgewählten Werke.

Gerrit Zitterbart im Rittersaal: Der Pianist gab lehrreiche Einführungen in die ausgewählten Werke.

Dirk Jochmann

Gerrit Zitterbart im Rittersaal: Der Pianist gab lehrreiche Einführungen in die ausgewählten Werke.

Krefeld. Heiterkeit mit einem Hauch von Melancholie: So klang bei der Silvesterserenade im Rittersaal der Burg Linn das Jahr 2012 aus. Pianist Gerrit Zitterbart bot mit Stücken von Franz Schubert und Frédéric Chopin dem Publikum ein anspruchsvolles Programm.

Geschickte Dramaturgie in der Abfolge der Stücke

Neben seiner internationalen Konzerttätigkeit leitet Zitterbart seit vielen Jahren eine Klavierklasse an der Hochschule für Musik in Hannover. Dementsprechend fällt seine Moderation an diesem Abend weniger launig, sondern eher wie eine kleine Lehrstunde aus. In seinen Anmerkungen stellt er nicht nur die Stücke kurz vor, sondern lässt auch eine geschickte Dramaturgie bei ihrer Abfolge erkennen.

Zum Auftakt gibt es Sechs Deutsche Tänze, die Schubert einst in der Sommerfrische auf dem Landgut des Grafen Esterházy schrieb. Weiche Melodien mit wiederkehrenden Motiven, die im Wechsel mit betont rhythmischen Passagen stehen, kennzeichnen diese Werke.

Von Stimmungsschwankungen ist Schuberts große Klaviersonate in A-Dur geprägt, welche in epischer Breite die Zeit bis zur Pause füllt. Für Zitterbart enthält sie Wehmut und Heiterkeit gleichermaßen. Er stellt sie in enge Beziehung zu den zwei anderen letzten Klaviersonaten, die für ihn alle aus einem musikalischen Gedanken geformt sind. „Schuberts Umwelt hat damals davon überhaupt nichts mitbekommen“, ergänzt er mit Blick auf die Tatsache, dass diese außergewöhnliche Musik erst nach dem frühen Tod des Komponisten bekannt wurde. Neben seiner Präzision und dem technisch brillanten Spiel überzeugt Zitterbart auch mit seinem großen Einfühlungsvermögen in den lyrischen Passagen.

Bei Chopins Werken wird eine zarte Melancholie spürbar

Was sich in der Schubert-Sonate so bereits andeutet, wird bei Chopin nach der Pause glasklar spürbar. Zitterbart spricht vom „unverwechselbaren Personalstil“ des Komponisten, dessen Lebenddaten sich mit Schuberts überschneiden. Ein Nocturne in cis-moll, entstanden in Schuberts Todesjahr 1828, offenbart jedoch einen anderen Charakter. Hier wird eine zarte Melancholie spürbar, die auch Chopins so populär gewordene Walzer kennzeichnet. Die schwebende Eleganz der für die Pariser Salons entstandenen Stücke bringt Zitterbart wunderbar zum Ausdruck.

Er beendet den Abend besinnlich mit Schubert. Als eine „Intimität“ bezeichnet Zitterbart das kurze feinsinnige Stück, mit dem er das begeisterte Publikum in die Silvesternacht entlässt.

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