Britischer Schneider erzählt über seine Arbeit mit der wohl berühmtesten Band der Musikgeschichte.

Britischer Schneider erzählt über seine Arbeit mit der wohl berühmtesten Band der Musikgeschichte.
Beatles-Schneider Gordon Millings im Gespräch mit Elisabeth Hackspiel-Mikosch.

Beatles-Schneider Gordon Millings im Gespräch mit Elisabeth Hackspiel-Mikosch.

Andreas Bischof

Beatles-Schneider Gordon Millings im Gespräch mit Elisabeth Hackspiel-Mikosch.

„Wir haben nie zuvor so enge Anzüge geschneidert wie für die Beatles“, erinnert sich Gordon Millings. Er war 17 Jahre alt, als sich die Popgruppe auf Anraten ihres Managers Brian Epstein im Londoner Atelier von Douglas Millings und seinem Sohn neue Kleider schneidern ließ. Die beiden Millings verpassten den vier Pilzköpfen einen Auftritt, wie es ihn nie zuvor gegeben hatte. „Sie wollten etwas vollkommen Neuartiges – something completely different“, sagte der nun 70-jährige Millings beim Jubiläumstreffen des Netzwerks Mode Textil, „und das, als man von Marken und Corporate Identity noch gar nicht sprach“.

„Paul McCartney passt noch immer in seine Anzüge.“

Gorden Millings über den Beatles-Frontmann

Diese ersten Entwürfe hatten keine Taschen und waren hauteng – was Wunder, dass die Mädchen damals reihenweise in Ohnmacht fielen. Für die ersten vier Anzüge im Jahr 1962 berechnete Millings pro Stück 31 englische Pfund. „Wir waren genauso gut wie die Schneider der Savile Row“, sagte er über die Elite der Herrenschneiderkunst in London, „aber wir waren günstiger.“ Heute müsste man für einen solchen Anzug aus fein schimmerndem Mohair 5000 Pfund zahlen. Nach den ersten vier schneiderten die Millings noch zahlreiche weitere Anzüge für die Musiker.

Mit dem Erfolg stiegen die Zahlen, und die Millings fertigten immer gleich mehrere Exemplare. Im Taumel der Shows ging schon mal etwas kaputt. Und auch aus der Reinigung kamen wohl nicht alle Anzüge komplett zurück. In dem Atelier der Millings prallten Anfang der 1960er Jahre Welten aufeinander: „Die vier kamen aus Manchester, gehörten der Arbeiterklasse an“, sagte Millings – irgendwie waren die Schneider vornehmer als ihre Kunden. Anders der Manager: „Epstein kam aus einer High-Brow-Family“ berichtete Millings, „er war immer wunderschön gekleidet“. Und wusste, was man mit Kleidung im Show-Business erreichen kann– wenn die Musik stimmt.

Innovativ waren die Pilzköpfe mit ihren musikalischen Ideen, und dank der Handwerkskunst der Millings auch mit ihrem Äußeren. „Mein Vater hatte ein ausgezeichnetes Gefühl für die Details“, sagt Millings. Fünf Jahre lang, von 1962 bis 1967, waren die Beatles Kunden bei den Millings. Die auch sehr musikaffin waren: Douglas Millings schneiderte bei Tag und spielte des Nachts in einer Band. Als die Beatles sich nach Indien aufmachten und von dort musikalische wie textile Einflüsse mitbrachten, ging die Zeit mit den Millings zu Ende. „Stickereien waren nicht unsere Sache“, sagt Millings. Aber: „Paul McCartney passt immer noch in seine Anzüge hinein, worauf er sehr stolz ist.“

Ein Sammler aus Neuss stellte drei Anzüge zum Anschauen zur Verfügung. Und mit den Songs der Beatles übertrug sich auch die Stimmung aus den 1960er Jahren auf das Publikum.

Millings hat sein Schneideratelier vor fünf Jahren aufgegeben und lebt nun in Südspanien. Er hat auch über andere Musiker eine Menge zu erzählen, denn Tom Jones und Sammy Davis jr. kleidete er auch ein. Ansonsten ist er ein bescheidener Mann, der gerne über Megan Markle, Mode oder die Monarchie plaudert.

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