Unaufhörlich haben am Samstag zwei Aufzüge hunderte von Besuchern ins ehemalige Fasslager gekarrt. Die Ausstellung begeistert.

Krefeld. Ein Schild kündet von der Vergangenheit der Hallen: "Zulässige Bodenbelastung 2000 kg auf den Quadratmeter bei gleichmäßig verteilter Last", steht da zu lesen.

Einsturzgefahr wird also nicht bestanden haben - trotz der Menschenmassen, die sich am Samstag im ehemaligen Fasslager der Weinbrennerei einfanden.

Die "Große Dujardin" wurde eröffnet, nach "Quer geschnitten" im Museum eine zweite große Ausstellung Krefelder Kunst.

Begegnet man am Karlsplatz 17 Künstlern, so findet man in Uerdingen gleich 37. Kuratiert und organisiert wurde die Ausstellung von den Künstlern Günter Dohr, Ralf Janowski, Jan Kalff, Bart Koning und Johannes Trittien.

Zur Eröffnung karren zwei Aufzüge unaufhörlich hunderte von Besuchern in den zweiten und dritten Stock.

Mit dem Katalog zur "Großen Dujardin", ergänzt durch den zu "Quer geschnitten", kann man einen Überblick über die Krefelder Kunst nach Hause tragen, wie es ihn bisher nicht gab.

Bis zum 11. Oktober. Öffnungszeiten: Mi./Fr., 16-20 Uhr; Sa. 14-18 Uhr; So. 10-18 Uhr.

Zur Vernissage von "Quer geschnitten" sah man viel Prominenz des öffentlichen Lebens, in Uerdingen dominiert die Kunstszene das Publikum. Oberbürgermeister Gregor Kathstede mitsamt Familie lässt sich aber einen Rundgang nicht nehmen.

Ortsfremde könnten glauben, Krefeld habe viel Sinn für Kunst

"Wir meinten, Krefeld hat’s nötig", sagt Bart Koning in seiner Willkommensrede, er meint die Idee zur Ausstellung. Schirmherrin Karin Melcher überreicht danach an die Organisatoren grüne Schirme.

Wovor diese die Künstler noch schützen sollen, bleibt rätselhaft: Mit berechtigter Kritik haben sie kaum zu rechnen, dazu ist das Resultat ihrer Bemühungen qualitativ zu hochwertig.

Thomas Janzen vom Team der Kunstmuseen spricht einführende Worte. Die beiden großen Ausstellungen könnten Ortsfremden die Illusion vorgaukeln, Krefeld sei eine Stadt mit viel Sinn für ihre Kunst, in der Tat habe aber "kein Masterplan" hinter den Aktivitäten gesteckt.

"Engführung und Ortsbezogenheit" suche man in der Ausstellung vergeblich, dafür finde man den Überblick über 37 Positionen. Nun gelte es, dazwischen "neugierig und forschend" nach Parallelen und Gegensätzen zu suchen.

Malerei, Grafik, Fotografie, Installation und Skulptur sind zu finden. Es ist spannend, Bilder Frank Jacob Essers, der im Museum Malerei hervorstechend vertritt, im Kontext mit Arbeiten von Rudolf Löhr, Jan Kalff und Bart Koning zu sehen.

Bei den plastischen Werken ist der Bogen von den wuchernden Terrakotta-Arbeiten Gerhard Hahns mit ihrem verstörenden Innenleben bis zu den minimalistischen Objekten Brigitta Heidtmanns weit gespannt.

Auch bemerkenswert, dass ältere, mittlere und junge Generation vertreten sind: von den "Senioren" Hubert Spierling (Jahrgang 1925) und Klaus Peter Noever (1929) bis hin zum "Junior" Raphael Schmitz (1984).

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