Welch ein Coup: Im Katalog zur laufenden Ausstellung steht ein Aufsatz der Nobelpreisträgerin.

haus esters
Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek (r.) ...

Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek (r.) ...

... mag die Bilder der Schwedin Mamma Andersson.

A. Bischof, dpa, Bild 1 von 2

Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek (r.) ...

Krefeld. Die Idee muss Martin Hentschel fast schon wie Spinnerei vorgekommen sein. „Das macht die auf keinen Fall“, war die Reaktion, die der Krefelder Museumsdirektor regelmäßig zu hören bekam, wenn er von seinem Plan berichtete, die Schriftstellerin Elfriede Jelinek für einen Katalogtext zu gewinnen. Für Auftragsarbeiten war die Literaturnobelpreisträgerin bislang nicht gerade bekannt.

Fast so spannend wie der Aufsatz ist seine Entstehungsgeschichte

So kommt es fast einer Sensation gleich, dass Hentschel der Coup doch gelungen ist. Für den Katalog zur aktuellen Ausstellung der schwedischen Malerin Mamma Andersson in Haus Esters hat Jelinek den kurzen Aufsatz „Die Versammlung auf dem Bild“ beigesteuert. Andersson kommt darin nicht vor, auch keines ihrer Werke. Jelinek hat – wie zu erwarten – einen rätselhaften, eigenwilligen Essay geschrieben, in dem es um Speichermedien geht. „Man muss das als Metapher lesen“, empfiehlt Hentschel.

Fast so spannend wie der Text ist seine Entstehungsgeschichte: Die Malerin aus Skandinavien und die Schriftstellerin aus Österreich verbindet ein Hauch gemeinsamer Geschichte. Als Jelinek 2004 den Nobelpreis erhielt, bekam sie dazu ein Aquarell der Künstlerin. Andersson wiederum hat auf diesem Wege die Literatur Jelineks kennen und lieben gelernt. „Sie findet sich darin wieder“, erzählt Hentschel.

Als es nun um den Katalog ging, verfasste Andersson handschriftlich einen Brief an Jelinek. Zusammen mit früheren Katalogen und einem eigenen Schreiben schickte Hentschel diesen nach Wien: „Innerhalb einer Woche antwortete Elfriede Jelinek per Mail: ’Ja, das mache ich.’ Eine weitere Woche später kam der Text. Alles sehr unprätentiös“

Schwieriger gestaltete sich die Übersetzung ins Englische, für die Hentschel Professorin Gitta Honegger aus Arizona gewann: „Sie ist weltweit die einzige, die Jelinek ins Englische übertragen kann“, sagt der Museumschef, der auch selbst einen Text über Anderssons düstere Gemälde beigesteuert hat. Diese Bilder, auf vielen Fotos und Detailaufnahmen festgehalten, faszinieren übrigens auch ganz ohne Worte.

Kerber Verlag, 108 Seiten, 35 Euro (an der Museumskasse 25 Euro).

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