Vorbild: Die Tilburger stecken Geld in ihr Haus. Es ist zu einem Publikumsmagneten geworden.

Krefeld. Das Textielmuseum Tilburg in den Niederlanden hat etwas, wovon das Deutsche Textilmuseum in Linn nur träumen kann: eine große Lobby und hohe Besucherzahlen. Mehr als 59500 Menschen besuchten im vergangenen Jahr das Museum in einer alten Textilfabrik, das zur Route der Europäischen Industriekultur gehört. In Krefeld waren es gerade mal 12146. "Ein Grund für diese Erfolgsgeschichte ist das Konzept", glaubt Angelika Rösner, die an der Hochschule Niederrhein Textildesign unterrichtet.

Museum als experimenteller Hort für Designer und Künstler

Auf der Suche nach Vorschlägen zur Rettung des Textilmuseums fordert sie die Politiker auf, nach Tilburg zu schauen. "Die haben sehr erfolgreich das Museum zu einer Werkbank beziehungsweise zu einem experimentellen Hort für Designer und Künstler mit internationaler Ausstrahlung entwickelt", erzählt Rösner.

Im sogenannten Texlab (Textillabor), das dem Museum angegliedert ist, werden Produkte entwickelt und produziert, die Impulsgeber für die Industrie seien und gleichzeitig eine sehr gute Werbung für die Stadt in der Provinz Nordbrabant darstellten. Diese Kombination von Museum und experimentellen Arbeiten sei ein Unikat.

Auch Krefeld bietet mit seiner Hochschule und den Fachbereichen Design, Textil- und Bekleidungstechnik, den Modeschulen und der großen Museumslandschaft in NRW kreatives Potenzial. Und das Linner Textilmuseum beherbergt eine der international wichtigsten Sammlungen historisch kostbarer Textilien und Bekleidung, eine herausragende Bibliothek und eine exzellente Restaurierungswerkstatt.

Tilburg wie Krefeld sind Städte, die als wichtiges Zentrum der Textilindustrie um 1900 zunächst wohlhabend wurden, um dann durch die Konkurrenz der Billiglohnländer ab den 60er Jahren eine Pleite nach der anderen zu erleben. Tilburg hat aus dieser Not eine Tugend gemacht und zuletzt vor zehn Jahren das Museum um einen spektakulären Neubau erweitert.

Das Textilmuseum beherbergt über 25 000 Objekte aus allen Teilen der Welt von der Antike bis zur Gegenwart.

Von der Geschichte der Samt- und Seidenstadt Krefeld zeugt in Krefeld nur noch die historische ehemalige Paramentenweberei Gotzes an der Luisenstraße 15, die vom Förderverein "Haus der Seidenkultur" betrieben wird.

Krefeld wirbt mit dem Slogan "Eine Stadt wie Samt und Seide". Konsequent wäre es, einzelne Eckpunkte als Beleg zu verknüpfen: das Textilmuseum, das Haus der Seidenkultur sowie die Museen Haus Lange und Haus Esters von Mies van der Rohe.

In Krefeld hingegen ist das Gebäude am Andreasmarkt in die Jahre gekommen. Derzeit sucht die Stadt erfolglos nach einer neuen Direktorin, nachdem die langjährige Leiterin Brigitte Tietzel im Oktober in Altersteilzeit gegangen ist. Ein entscheidender Punkt für die Absagen der Bewerberinnen (die WZ berichtete) ist der über die Jahre geschrumpfte Etat. Laut Haushaltsplanentwurf sind für kommendes Jahr nur noch 16000 Euro als Ausstellungsetat vorgesehen.

Könnte ein Konzept wie das in Tilburg das Krefelder Textilmuseum retten? " Die beiden Häuser sind nicht zu vergleichen", sagt Tietzel. Das Tilburger Haus zeige historische Webstühle neben ultramodernen Textilmaschinen. Die Chance in Krefeld liege darin, das hiesige Museum zu modernisieren und auszubauen, um einer ständigen Sammlung mit Schätzen des Hauses Platz zu geben. "Wenn die Stadt aber kein Geld reinsteckt, ändert sich in Krefeld nichts." Auch für Rösner der erste notwendige Schritt.

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