Michael Rotthoff (v.l.) und Ingeborg Müllers, beide von der Kulturstiftung der Sparkasse, Michaela Plattenteich, Vorsitzende Literatur in Krefeld, Designerin Judith Cleve und Künstler Jochen Stücke präsentieren die Novelle.
Michael Rotthoff (v.l.) und Ingeborg Müllers, beide von der Kulturstiftung der Sparkasse, Michaela Plattenteich, Vorsitzende Literatur in Krefeld, Designerin Judith Cleve und Künstler Jochen Stücke präsentieren die Novelle.

Michael Rotthoff (v.l.) und Ingeborg Müllers, beide von der Kulturstiftung der Sparkasse, Michaela Plattenteich, Vorsitzende Literatur in Krefeld, Designerin Judith Cleve und Künstler Jochen Stücke präsentieren die Novelle.

Dirk Jochmann

Michael Rotthoff (v.l.) und Ingeborg Müllers, beide von der Kulturstiftung der Sparkasse, Michaela Plattenteich, Vorsitzende Literatur in Krefeld, Designerin Judith Cleve und Künstler Jochen Stücke präsentieren die Novelle.

Krefeld. Michaela Plattenteich, Vorsitzende des Vereins „Literatur in Krefeld“, ist überzeugt: „Dieser Text ist auch heute noch von Interesse.“ Gemeint ist die Novelle „Schloß Moyland“ von Otto Brües, die der Verein neu aufgelegt hat. Wahrscheinlich hat Brües das Treffen von Friedrich dem Großen und dem französischen Philosophen Voltaire auf Moyland schon in den Dreißiger Jahren als Novelle gefasst, erschienen ist das Werk aber 1943, zu einer Zeit, als Frankreich von deutschen Truppen besetzt war.

Erstaunlich, auch weil Brües dem Philosophen bei der Reise aus Brüssel an den Niederrhein den Satz sagen lässt: „Grenzen werden bald überlebt sein.“ Die Novelle wurde bereits 1967 und 1988 neuaufgelegt, nun trifft es sich gut, dass sie 2017 erscheint, in dem Jahr, in dem Brües 50 Jahre tot ist, und vor 120 Jahren geboren wurde.

Die Illustrationen kommen von Jochen Stücke und Judith Cleve

Den Anstoß zu dem Buch gab es allerdings schon 2013 durch den Kontakt mit dem Künstler Jochen Stücke und der Museumsleitung von Moyland. Stücke, der an der Hochschule Niederrhein lehrt, interessierte sich schon länger für die Kontakte zwischen dem preußischen König und dem französischen Philosophen, die ihn zu Zeichnungen reizten. Zwischen 2013 und 2016 schuf Stücke rund 200 Zeichnungen, die den dritten Band innerhalb des Zyklus der „Pariser Alben“ bilden, der „Friedrich – Voltaire – Beuys“ betitelt ist. Sie sind noch bis 17. September 2017 auf Moyland ausgestellt. Im Herbst soll eine Doppelausstellung im Krefelder Kunstverein und im Niederrheinischen Literaturhaus folgen.

Immer wieder auf den europäischen Gedanken hinzuweisen, findet Stücke, der sich nicht für einen „politischen Künstler“ hält, wichtig. Deshalb hat er auch gerne vier Zeichnungen als Serigraphien (Siebdruck) zur Illustration zur Verfügung gestellt. Mit diesen Zeichnungen und Details daraus hat die junge Krefelder Designerin Judith Cleve das Buch gestaltet. Sie ist auch für das optische Erscheinungsbild des Vereins mit Logo und Website verantwortlich.

Zu den finanziellen Unterstützern des Buches gehört auch die „Kulturstiftung der Sparkasse Krefeld“. Michael Rotthoff findet die Förderung durch sein Haus „folgerichtig“, schließlich gelte es Krefeld als Literaturstadt zu stärken. „Und das Buch kann auch helfen, das Werk von Otto Brües einzuordnen“, sagt Rotthoff. Dem Leser etwas leichter mit dem Lesen und der Einordnung macht es Michaela Plattenteich. Sie hat textlich gekürzt, und damit die Geschichte etwas gestrafft.

Auf Moyland trafen sich, das ist historisch verbürgt, die beiden Männer und Voltaire las an drei Abenden aus dem „Mahomet“, seinem neuen Theaterstück. Darin geht es um religiösen Fanatismus und Machtmissbrauch im Zeitalter der Aufklärung, aber heute genauso wieder aktuell. Am Ende wird es dramatisch, Friedrich ehrt Voltaire und brüskiert ihn anschließend.

Brües untermalt den abschließenden Konflikt mit Naturgewalt, lässt ein Gewitter losbrechen. Im Vorwort zum Buch will Michaela Plattenteich nicht abschließend auf die Haltung von Brües während des Nationalsozialismus eingehen. „Ich weiß, dass er in der Stadt eine schwierige Figur ist“, sagt sie über den Dichter, der seit 1937 NSDAP-Mitglied war und den man auf dem Sterbebett zum Krefelder Ehrenbürger machte. Wenn es aber durch die Herausgabe des Buches noch einmal zu einer differenzierten Debatte über die Widersprüchlichkeiten im Leben und Werk von Otto Brües kommen sollte, fände Plattenteich das „umso wünschenswerter.“

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