Pianist Christoph Stiefel präsentierte im Fichte-Gymnasium seine Isorhythmen.

Der Schweizer Musiker Christoph Stiefel am Piano.
Der Schweizer Musiker Christoph Stiefel am Piano.

Der Schweizer Musiker Christoph Stiefel am Piano.

Jazzclub

Der Schweizer Musiker Christoph Stiefel am Piano.

Krefeld. Wenn der Pianist Christoph Stiefel behauptet, er arbeite mit Isorhythmen, ist das eigentlich geflunkert. Denn zwar arbeitet er schon mit Wiederholungen gleicher rhythmischer Strukturen, doch wendet er das bereits im Mittelalter praktizierte Kompositionsverfahren in einem Stück auf mehrere, meist kompliziert miteinander verschränkte Stimmen an.

Der Schweizer Jazzmusiker präsentierte sich bereits 2005 einmal im Musiksaal des Fichte-Gymnasiums, jetzt kam er zum vierten Festkonzert anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Jazzklubs mit seinem Trio wieder dort hin.

Stiefel bindet seine Begleiter oft unterschiedlich in die Arrangements ein. Während Kontrabassist Thomas Lähns häufig dazu verdammt ist, die ostinate Bassfigur zu stützen, die die linke Hand des Pianisten vorgibt, kann Schlagzeuger Marcel Papaux auch schon einmal einen völlig anderen Rhythmus gegen den durch das Piano vorgegebenen setzen.

Im ersten Set überwogen im Fichte-Gymnasium solche Stücke, in denen die durch das Thema vorgegebenen Strukturen auch während der Improvisationen nicht aufgebrochen wurden. Trotz aller Virtuosität der drei Musiker ging das ein wenig zu Lasten der im Jazz ja nicht ganz unwichtigen Spontaneität. Im zweiten Set aber wuchsen in den Arrangements die Freiräume. Da gönnte sich Stiefel auch einmal, auf eine Walking-Bass-Linie des Bassisten nur mit der rechten Hand einstimmig zu improvisieren. In solchen Sequenzen klang die Musik nicht nur spontaner, sie gewann auch an Fahrt.

Natürlich ist es reizvoll, komplexe Stimmführungen in der Musik nachzuvollziehen. Es bedarf allerdings auch längerer Hörerfahrung und ist für Ungeübte recht anstrengend. In diesem Sinne war Stiefels Konzert überdurchschnittlich anspruchsvoll. Doch den knapp 100 Zuhörern, unter ihnen etwa 20 Fichte-Schüler, die der Jazzklub eingeladen hatte, gefiel die Musik. Das Trio musste noch einmal ran: Ohne Zugaben ließen die Zuschauer es nicht von der Bühne.

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