Günther Dohr arbeitet mit elektronisch gesteuerten Farbveränderungen. Diese verbindet er mit Architektur.

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Im Fußgängertunnel am Hauptbahnhof Krefeld gibt es eine Installation von Günther Dohr.

Im Fußgängertunnel am Hauptbahnhof Krefeld gibt es eine Installation von Günther Dohr.

Andreas Bischof

Im Fußgängertunnel am Hauptbahnhof Krefeld gibt es eine Installation von Günther Dohr.

Krefeld. Ein eiliger Passant wird es kaum bemerken. Wer den Hauptbahnhof von der Südseite betritt und bis zur großen Halle geht, durchquert einen Lichtraum. Geschaffen hat ihn Günther Dohr, Künstler und 20 Jahre Professor für Objekt-Design mit Schwerpunkt Lichtgestaltung an der hiesigen Hochschule. In den Jahren 1987-92 sind die in unterschiedlichen Pastelltönen leuchtenden Wandfelder im sogenannten Fußgängertunnel entstanden.

Glaskunst in Krefeld (8 und Schluss)

Zusammen mit Hubert Spierlings eindrucksvollem Fenster in der Vorhalle kann man somit in Krefeld gleich zwei bedeutende Beispiele von Glas- und Lichtgestaltung an einem Ort erleben. Beide Werke sind mit der langen Tradition dieser Kunstrichtung in Krefeld eng verknüpft.

Allerdings gehört Dohr nicht wie Spierling zu den Absolventen der berühmten Klasse für Glas-und Mosaikgestaltung von Gustav Fünders, er ist auch einige Jahre jünger als das Meisterschülertrio Spierling, Pigulla und Klos.

1936 in Münster geboren, studierte Dohr Malerei an der Hochschule für bildende Künste in Kassel. Er arbeitete zunächst als Kunsterzieher an verschiedenen Gymnasien. Seit Mitte der sechziger Jahre entstehen seine Lichtobjekte. Er arbeitet mit elektronisch gesteuerten Farbveränderungen, mit Leuchtstoffröhren und anderen technischen Elementen. Entscheidend ist bei ihm das ästhetische Erlebnis, das die Wahrnehmung solcher Objekte auslöst. Licht erhebt sich über die Technik, erzeugt eine lebendige Materialität, die dem menschlichen Auge vielseitige Seherlebnisse beschert.

Die Formensprache bleibt im Gegenzug dazu betont nüchtern, klare Formen kennzeichnen die Leuchtkästen, deren technisches Innenleben von der magischen Wirkung des Lichts überdeckt wird. Besonders gut ist dies bei seinen sogenannten statischen Objekten zu sehen.

Mit Thorn Prikker begann in Krefeld eine Tradition erfolgreicher Glaskünstler. Sie reicht bis in die Gegenwart.

Der Verein Kunst und Krefeld hat die Geschichte der hiesigen Glaskunst in Ausstellungen und Katalogen aufgearbeitet.

Mehr Details zu dem Thema bietet das umfangreiche Katalogbuch „Glasmaler & Lichtgestalter nach 1945. Krefeld und der Niederrhein“ herausgegeben von Kunst und Krefeld, bearbeitet von Hans Joachim Albrecht, 240 Seiten mit über 350 Abbildungen, ISBN 78-3-9811973-1-0

Während der Unterbau eine Stele aus verzinktem Stahlblech bildet, erstrahlt der transparente obere Teil in unterschiedlich farbigem Licht. Kühl erscheinen Kontraste aus blauem und weißem Licht, während rotes Leuchten den Eindruck von Wärme erzeugt.

Wie effektvoll der Künstler farbige Lichtobjekte in Verbindung mit Architektur einzusetzen weiß, zeigt seine Installation, die er im Jahr 2000 für die Dortmunder St.Petri-Kirche geschaffen hat. Blaue und rote Farbkästen tauchen den hohen Kirchenraum in ein geheimnisvolles Licht, deren Farben darüber hinaus von großer sakraler Bedeutung sind.

Eine wichtige Position in seinem künstlerischen Schaffen nimmt Dohrs Malerei ein. Mit hellen, fast transparenten Farbbahnen ist er dem Phänomen Licht auf subtile Weise immer wieder auf der Spur. Als Mitglied der Ateliergemeinschaft bei Dujardin nimmt der inzwischen zurückgezogen lebende Künstler dort an Ausstellungen teil.

Noch in größerem Umfang waren seine Arbeiten 2007 in der Reihe „Kunst bei Cargill“ zu sehen. In seiner fünften Ausstellung zum Thema Glaskunst im Sommer 2011 nennt der Verein Kunst und Krefeld Dohr bereits im Untertitel.

„Glas- und Lichtgestalter nach 1955 – von Joachim Klos bis Günter Dohr“ stellt die nachhaltige Wirkung der von 1947 bis 1970 existierenden Fünders-Klasse vor. Dohr, dessen eigene Lehrtätigkeit sich fast nahtlos an jene legendäre Zeit anschließt, wird in dieser Schau als konsequenter Erneuerer und Fortsetzer dieser Kunstrichtung gewürdigt.

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