Walter Simons-Klabunde baut Instrumente, die heute kaum jemand mehr kennt.

Passion
In seiner Werkstatt an der Klever Straße in Hüls baut Walter Simons-Klabunde Drehleiern.

In seiner Werkstatt an der Klever Straße in Hüls baut Walter Simons-Klabunde Drehleiern.

Dirk Jochmann

In seiner Werkstatt an der Klever Straße in Hüls baut Walter Simons-Klabunde Drehleiern.

Krefeld. Als Walter Simons-Klabunde mit Mitte 20 einen Straßenmusiker Drehleier spielen hörte, sollte das sein Leben für immer verändern.

Vorher hatte der junge Mann mit Musik nicht viel zu tun gehabt, aber diese erste Begegnung mit der Drehleier vor rund 30 Jahren in Köln war Liebe auf den ersten Blick. „Das hat mich sofort umgehauen. Ich fand das Instrument einfach genial und habe sofort angefangen zu recherchieren“, erzählt der heute 56-Jährige.

Klangkörper aus Krefeld (1)

Schnell folgte der Kauf seiner ersten Drehleier. Binnen 15 Jahren spielte Simons-Klabunde unentwegt in verschiedenen Bands. „Daraus entstand der Wunsch, wenigstens einmal eine Drehleier selbst zu bauen und das Instrument zu optimieren“, sagt Simons-Klabunde. Genau das hat er getan, ist von seinem kaufmännischen Beruf auf eine Tischlerlehre umgestiegen, um mit Holz umgehen zu lernen.

„Meine Drehleiern sind wie Kinder, die man entlässt.“

Walter Simons-Klabunde

Seit 15 Jahren ist das Drehleier-Bauen nun sein Beruf – in Eigenregie gelernt. In einer kleinen Werkstatt in Hüls schafft er für seine Kunden aus ganz Deutschland und dem Ausland individuelle Einzelstücke, wartet die Instrumente und entwickelt seine Bauweise fortlaufend weiter. „Die Drehleier hat sich meines Lebens angenommen“, sagt Simons-Klabunde, „und heute lebe ich nicht von ihr, sondern für sie.“

Dass seine Passion für das alte Instrument speziell ist, merkt er immer wieder: „An Drehleiern teilt sich die Welt. Entweder man findet sie richtig toll oder richtig schrecklich.“ Das sei wie bei einem scharfen Gewürz, das man mag oder nicht, dem man aber keinesfalls gleichgültig gegenüberstehen könne. „Die Drehleier ist laut und klingt besonders. Man muss die Reibungen, die entstehen, aushalten können.“

Die ersten Drehleiern sind im elften Jahrhundert entstanden. Das Instrument war an Königshöfen genauso verbreitet wie in bäuerlichen Schichten. Seine Beliebtheit wechselte stark, mal war es Modeinstrument, mal vergessen im Dornröschenschlaf.

Wenn die Kurbel gedreht wird, setzt sich ein Rad in Bewegung, das verschiedene Arten von Saiten in Schwingung versetzt. Gespielt wird mit Tasten.

In Deutschland gibt es insgesamt nur sechs oder sieben Drehleier-Bauer. Weil es kein geschützter Lehrberuf ist, gibt es keinen festen Ausbildungsweg.

Auch wenn die Drehleier aus Simons-Klabundes Sicht immer ein Nischeninstrument bleiben wird, empfindet er die Szene nicht als klein. „Es gibt heute viele junge Leute, die Drehleiern toll finden – beispielsweise aus der Mittelalterszene –, aber auch ältere Menschen, die die Drehleier entdecken und dann lernen wollen, sie zu spielen.“

Wenn Simons-Klabunde in seiner Werkstatt steht und in einer Zeitspanne von zwei Wochen bis zwei Monaten eine Drehleier baut, dann denkt er dabei an den Menschen, für den er das Instrument macht. „Ich führe vorher lange Gespräche, damit ich genau weiß, wie die Drehleier werden muss, damit sie zu dem Menschen passt.“ Das sei ihm wichtig.

Er baut eine Beziehung zu den Instrumenten auf, die er baut

Aber auch er selbst baut eine Beziehung zu den Instrumenten auf, die er schafft. „Sie sind wie Kinder, die man entlässt. Manche kommen in schwierige Verhältnisse, und manchen geht’s richtig gut“, sagt Simons-Klabunde ernsthaft. „Aber es gehört auch die professionelle Distanz dazu, sie irgendwann gehen zu lassen.“

Kontakt zu Walter Simons-Klabunde unter Telefon 73 69 40.

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