Die CDU in Gladbach lenkt ein. Doch die Zukunft der Vereinigten Bühnen steht in den Sternen.

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Einzelne Proteste gab es auch am Donnerstag im Rathaus Abteiberg in Gladbach.

Einzelne Proteste gab es auch am Donnerstag im Rathaus Abteiberg in Gladbach.

Die ersten Künstler ziehen Konsequenzen: Schauspieler Stefan Diekmann geht.

Auch Tenor Hans-Jürgen Schöpflin kehrt dem Theater den Rücken zu.

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Einzelne Proteste gab es auch am Donnerstag im Rathaus Abteiberg in Gladbach.

Krefeld. Langsam, bedächtig rudert Wolfgang Dreßen zurück. Der kulturpolitische Sprecher der Gladbacher CDU vermeidet jedes klare Eingeständnis: Was er bei der Sondersitzung des Theaterkuratoriums am Donnerstag zu sagen hat, steht zwischen den Zeilen. "Die Lösung mit dem Darlehen", sagt Dreßen, "scheint sehr schwierig zu sein." Nach Wochen dramatischer Zuspitzung gibt es sie also doch noch, die Hoffnung für das Gemeinschaftstheater.

Dass die CDU endlich einlenkt und das fehlende Geld für die laufende Spielzeit bereitstellen will, deuten andere in Dreßens Worte hinein. Parteifreund Hans-Peter Kreuzberg aus Krefeld sagt: "Die CDU Mönchengladbach hat diesen Schritt zum größten Teil vollzogen." Dreßen widerspricht nicht. SPD-Ratsherr Ulrich Elsen aus Gladbach sagt: "Wolfgang Dreßen muss eine unsinnige Entscheidung so zurücknehmen, dass er sein Gesicht wahrt." Dreßen widerspricht erneut nicht. Das Theater wird das fehlende Geld wohl bekommen.

Lediglich die FDP hält an der Darlehens-Idee fest und fühlt sich "verunglimpft". Da platzt Elsen der Kragen: "Sie machen hier Wahlkampf auf den Knochen von 450 Mitarbeitern und dem Image unserer Stadt. Wir stehen da als Lachnummer der Nation."

Diese Gefahr hat die CDU mit ihrer Kehrtwende wohl vorerst ausgeräumt - obwohl Intendant Jens Pesel Dreßens Aussagen "kryptisch und orakelhaft" findet. Wenn alles gut geht, wird der Gladbacher Rat am 4. Februar den Theater-Etat doch noch absegnen. Die Zahlungsunfähigkeit wäre vorerst abgewendet.

Die entscheidende Frage wird sein, wie es danach mit dem Theater weitergeht. "Wir brauchen ein Konzept, das hilft, solche Situationen zu vermeiden", sagt CDU-Mann Kreuzberg. Doch auch im Etat der kommenden Spielzeit, in dem eine weitere Lücke klafft, gibt es laut Pesel "keine Fettpolster, die man absaugen kann". Er unterbreitet einen Vorschlag, der ohne Etat-Erhöhung auskommt, jedoch tiefe künstlerische Einschnitte vorsieht.

Diskutiert wurde in den vergangenen Wochen über die laufende Spielzeit, in der aufgrund von Tarif-Erhöhungen rund eine Million Euro fehlen. Die Gladbacher Idee, das Geld als Darlehen bereitzustellen, scheint vom Tisch.

Auch in der kommenden Spielzeit fehlen im Etat rund 600 000 Euro. Obwohl der Spielplan längst stehen müsste, gibt es dazu keine politische Entscheidung. Bisher deutet sich an, dass die Erhöhung verweigert wird.

Ein Tod auf Raten Der Spuk ist vorbei. Die absurde Debatte, die das Theater in den vergangenen Monaten ertragen musste, scheint durch plötzlich eingekehrte Vernunft beendet. Zur Etat-Erhöhung für die laufende Spielzeit gab es ohnehin nie eine Alternative - außer jener undenkbaren, in einem Wahljahr das Theater vor die Wand fahren zu lassen. Und selbst dann hätten die Städte die Zeche bezahlt. Was bleibt, sind drei Monate vergeudete Zeit. Die Zukunftsfragen sind nicht nur unbeantwortet, sie wurden bislang nicht einmal gestellt: Wie soll es mit dem Theater weitergehen? Und vor allem - mit welcher Art von Theater? Jens Pesel hat gestern einen Vorschlag unterbreitet, der in den Ohren von Theaterleuten und Publikum wie ein Horrorszenario klingen muss: nur vier Neuinszenierungen im ganzen Jahr, sonst aufgewärmte Kost - ein künstlerischer Offenbarungseid. Lediglich Klaus Kokol (SPD) bemerkte das, alle anderen Politiker erblickten freudig erregt eine Lösung am Horizont. Es ist keine, es ist ein Tod auf Raten. Dies wird spätestens dann sichtbar, wenn der neue Intendant ohne Geld und ohne Grundstock laufender Stücke ein Haus übernehmen soll, dem längst die Künstler davonlaufen. Die Politik ist noch keinen Schritt weiter. Sie muss dringend anfangen, über Inhalte zu reden - bevor es keine mehr gibt.

Die ersten Ensemble-Mitglieder haben aus solchen Szenarien ihre Konsequenzen gezogen: Tenor Hans-Jürgen Schöpflin und Schauspieler Stefan Diekmann werden das Haus verlassen.

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