Sängerin Julia Spies und Jesse Flowers überzeugen beim Serenadenkonzert im Rittersaal.

Sängerin Julia Spies und Jesse Flowers überzeugen beim Serenadenkonzert im Rittersaal.
Virtuos der eine, unmissverständlich klar die andere.

Virtuos der eine, unmissverständlich klar die andere.

Mark Mocnik

Virtuos der eine, unmissverständlich klar die andere.

Auch wenn es durch eine geschickte Aufstellung der Stuhlreihen im Rittersaal nicht unbedingt sofort auffällt, ein Duo Gesang und Gitarre motiviert deutlich weniger Zuhörer als eine „klassische“ Kammermusikbesetzung von Klavier und Streichern. Dabei entgeht den abwesenden Stammgästen der Serenadenkonzerte ein nicht alltägliches Musikerlebnis mit dem Duo Amaris, das heißt Julia Spies, einer ausgezeichneten jungen Sängerin und ihrem Duopartner Jesse Flowers.

Beide haben eine Reihe von internationalen Wettbewerben sowie Preisen gewonnen und wurden im vorigen Jahr als Stipendiaten in die 61. Bundesauswahl Konzerte junger Künstler aufgenommen.

Mit Liedern aus „The First Booke of Songes and a Musicall Banquet“ von John Dowland (1563-1626) beginnen sie ihre Serenade, wie sie passender für den Rittersaal kaum hätte sein können. Flowers Gitarrenbegleitung und der Gesang der Mezzosopranistin entführen in dieser Kulisse mühelos auf eine Zeitreise. Voller Gefühl und feinen Nuancen des Ausdrucks lässt die Sängerin die Inhalte lebendig werden. In dem Song „Come again: Sweet love doth now invite“ singt sie in freudiger Erregung einer Verliebten. Auch wenn es kaum möglich ist, das alte Englisch zu verstehen, die darin steckenden Stimmungen und Wechselbäder der Gefühle bringt sie mit unmissverständlicher Klarheit.

„Ich bin erst zum zweiten Mal hier. Das Ambiente ist schon außergewöhnlich und die Musik passt gerade zu diesem Raum.“

Hedwig Dittrich, Besucherin

Eine ausgereifte wie wunderbare Interpretation bietet sie in dem gesungenen Wunsch „Come heavy sleep“. Die Sehnsucht nach Schlaf in Zeiten von Trauer bis hin zu einem behutsamen Locken des Kräfte spendenden Schlafs, ihre Umsetzung ist voller Emotionen – ohne unangemessen stark aufzutragen, sondern – man könnte sagen – in vornehmer englischer Zurückhaltung.

Dowlands Musik in jüngerer Bearbeitung hat sich Flowers für seinen Soloauftritt vorgenommen. Die feinen Unterschiede zwischen einem Stück mit dem Titel „Very agitated“ (Sehr getrieben) und „Restless“ (Ruhelos) sind bei seiner Interpretation mühelos wieder zu finden. Virtuosität, ohne sie besonders herauszustellen, prägt sein Spiel. Mit „Mélodies“ von Claude Debussy (1862-1918) beweist das Duo, dass es auch in der impressionistischen Musik zu Hause ist.

Nach der Pause schwenkt die Stimmung deutlich ins Düstere. Spies trägt die Liederfolge „Eingedunkelt“ für Alt solo von Aribert Reimann (*1936) vor, der Henker seiner Eltern. Die Sängerin bereitet das Publikum darauf vor, dass die Gedichte Celans schwer zugänglich seien und auch die Tonsprache des 1992 entstandenen Werkes fremd sein würde.

Etwas versöhnlicher klingt die Serenade mit vier Liedern zum Thema Nacht von Franz Schubert (1797-1828) aus.

Auf den langen Applaus reagiert Spies: „Wir wollen Sie mit dem Leben entlassen, nicht mit dem Tod“ und kündigt ein friedliches Wiegenlied als Ausklang an.

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