Publikum bejubelt Premiere von „Sinfonie des Lebens“ von Robert North im Stadttheater.

Publikum bejubelt Premiere von „Sinfonie des Lebens“ von Robert North im Stadttheater.
Tänzerische Extraklasse bot die Premiere von „Sinfonie des Lebens“.

Tänzerische Extraklasse bot die Premiere von „Sinfonie des Lebens“.

Matthias Stutte

Tänzerische Extraklasse bot die Premiere von „Sinfonie des Lebens“.

Krefeld. Die elementaren Themen Leben und Tod stehen im Mittelpunkt des neuen Ballettabends von Robert North. Unter dem Titel „Sinfonie des Lebens“ verknüpft der Ballettdirektor drei ganz unterschiedliche Stücke zu einem mitreißenden Abend, den das Publikum bei der Premiere im Krefelder Theater entsprechend bejubelte. Wie North wieder die Möglichkeiten eines mehrteiligen Ballettabends nutzt, ist vom ersten Moment an faszinierend. Der Abend beginnt mit der beschwingten Choreografie „Jugend“ zur Musik von Benjamin Britten. Dessen „Simple Symphony“, die er als 20-Jähriger komponierte, liefert das passende musikalische Material für eine Folge tänzerisch beschwingter Begegnungen in Ensembles und Duetten.

Fließende Bewegungen und dynamische Rhythmen

Die Niederrheinischen Sinfoniker unter Kapellmeister Diego Martin-Etxebarria erweisen sich hier, wie auch bei den anderen Stücken des Abends, als präzise und einfühlsame Begleiter. Kostüme und das Licht des leeren Bühnenraumes (Ausstattung Udo Hesse) schillern in Blautönen. Diese optische Frische spiegelt sich im Tanz mit seinen fließenden Bewegungen und dynamischen Rhythmen perfekt wider.

Jugendliche Unbeschwertheit, aber auch widersprüchliche Gefühle unter Liebenden werden vor allem von den drei Paaren (Irene van Dijk/Alessandro Borghesani, Elisa Rossignoli/Giuseppe Lazzara, Teresa Levrini/Marco A. Carlucci) wunderbar verkörpert.

Nach diesem prickelnden Auftakt bietet der zweite Teil, der das Herzstück des Abends ist, deutlich schwerere Kost. Robert North, der eine große Affinität zur bildenden Kunst hat, hat sich für „Der Schlaf der Vernunft“ von einem gleichnamigen Bild von Goya inspirieren lassen. Thema sind die Schrecken des Krieges, die immer wieder den Tod über das Leben triumphieren lassen.

In seiner 14. Sinfonie hat auch Dimitri Schostakowitsch dieses Thema aufgegriffen. In einer Abfolge von Liedern nach Texten von Lorca, Apollinaire und Rilke geht es ebenfalls um die Macht des Todes. Janet Bartolova (Sopran) und Hayk Dèinyan (Bass) interpretieren eindrucksvoll diese düsteren Lieder in der jeweiligen Originalsprache. An der einen oder anderen Stelle hätte man sich noch etwas mehr Textverständlichkeit gewünscht, aber der erzählerische Stil der Choreografie macht das wieder wett.

Geschichten, die unter die Haut gehen

In beklemmenden und zutiefst berührenden Bildern wird der Kampf zwischen Leben und Tod facettenreich sichtbar. Vor allem in der direkten Konfrontation zwischen der das Leben verkörpernden Frau im roten Kleid (Irene van Dijk) mit dem eiskalten, dämonischen Tod (Alessandro Borghesani) entstehen Momente von großer Intensität. Aber auch die kleineren Geschichten von der Loreley (Elisa Rossignoli) und dem Soldaten (Takashi Kondo) gehen nicht weniger unter die Haut.

Es wäre für Robert North untypisch, wenn er das Publikum mit diesen dunklen Szenen nach Hause schicken würde. So lässt er den Abend mit „Farbenspiel“ bunt und heiter ausklingen. Auch hier stand die Kunst Pate. Die berühmte britische Künstlerin Bridget Riley, die 2002 auch in den Krefelder Kunstmuseen eine große Einzelausstellung hatte, entwarf bereits in den 1980er-Jahren für North Bühnenprospekte mit abstrakten Mustern und starken Farbkombinationen. Gelb und Grün, Grün und Rot bis hin zu bunten Streifen bilden im Wechsel den Hintergrund für die Tänzer, deren einfarbige Kostüme ebenfalls in diesen Farben leuchten.

Eine Vielfalt optischer Effekte

Das abstrakte Thema der geometrischen Bilder Rileys wird in der Choreografie auf faszinierende Weise lebendig. Die eigens dafür komponierte Musik von Christopher Benstead spiegelt mit ihren reichhaltigen Klangfarben die Vielfalt der optischen Effekte, die aus der Verbindung von Bühnenbild und Tanz entstehen, kongenial wider.

Ein kurzweiliger Abend auf hohem Niveau, eben ein echter Robert North.

Weitere Aufführungen Dienstag, 10. Oktober; Sonntag, 22. Oktober; Mittwoch 1., Samstag, 11., und Freitag, 17. November; Donnerstag, 28. Dezember; Donnerstag, 8. Februar 2018, und Freitag, 8. März 2018.

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