Das Duo Unicum lädt die Zuhörer in der Lutherkirche zur Entdeckung ebenso unbekannter wie zauberhafter Klänge ein.

Das Duo Unicum lädt die Zuhörer in der Lutherkirche zur Entdeckung ebenso unbekannter wie zauberhafter Klänge ein.
Die zwei Musikerinnen aus Litauen füllen die Lutherkirche mit zarten Tönen.

Die zwei Musikerinnen aus Litauen füllen die Lutherkirche mit zarten Tönen.

Andreas Bischof

Die zwei Musikerinnen aus Litauen füllen die Lutherkirche mit zarten Tönen.

Krefeld. Bei diesen beiden litauischen Musikerinnen dürfte der Name ihres Duos wohl berechtigt sein: Unicum verbindet die keltische Harfe und die Kankles. Giedre Siaulyte spielt die keltische Harfe, die deutlich kleiner ist als die Konzertharfe eines klassischen Sinfonieorchesters. Beim Spiel dieses Instruments fällt immer wieder auf, dass die Musikerin oben am Holzrahmen blitzschnell einen Haken umdreht, um die dazu gehörende Saite um einen Halbtonschritt zu erhöhen – oder zu vertiefen. Deshalb wird die keltische Harfe auch als Hakenharfe bezeichnet.

Der Auftritt von Ingrida Spalinskaite-Kuriene mit ihrer Konzert-Kankles dürfte nicht nur für die Lutherkirche, sondern auch für Krefeld eine Premiere gewesen sein. Das hierzulande kaum bekannte Instrument ist im östlichen Ostseeraum dagegen weit verbreitet, gilt in Finnland sogar als Nationalinstrument. Die Kankles ist eine Verwandte der Zither; man legt sie beim Spiel auf den Schoß oder einen Tisch und zupft sie mit den Fingern. Im Unterschied zur Zither hat die Kankles einen warmen, weichen Ton.

In ihrem Programm bieten die beiden musizierenden Freundinnen einen Querschnitt durch die europäische Musikgeschichte – zeitlich wie räumlich. Zu Beginn ist es das berühmte Largo von Georg Friedrich Händel, bei dem Karlheinz Schüffler die beiden an der Walcker-Orgel begleitet. Mit den gewählten Registern bringt der Organist die beiden Saiteninstrumente teilweise arg in Bedrängnis.

Aber: Bei einem Stück des litauischen Komponisten Juozas Naujalis (1869-1934) zeigt sich, dass die beiden Saiteninstrumente alleine auch mühelos mit ihrem Klang den Raum füllen können. Mit ihrem fein abgestimmten Spiel verzaubern sie das Publikum sogleich. Mucksmäuschenstill ist es bei den zartesten Klängen im Pianissimo – nach dem Stück wagt man erst einmal nicht, die Atmosphäre durch Klatschen zu zerstören.

Ein ungewöhnliches Hörerlebnis

Für ein Duo Unicum gibt es konsequenterweise auch keine Notenliteratur aus der klassischen Musik, so dass die beiden Werke für ihre Besetzung arrangieren mussten. Dazu gehört eine Arie aus einer Oper von Claudio Monteverdi (1567-1643) oder die Sonata in B von Jean Baptiste Krumpholtz (1742-1790). Einen besonderen Reiz erhält dieses Konzert noch durch die Auswahl von Musikstücken aus dem Baltikum. Als einen Vertreter zeitgenössischer litauischer Musik stellen sie Indre Stakvile (geb. 1975) vor. Sein fein gezeichnetes Stimmungsbild von einem Bergsee fasziniert in der Interpretation des Duos und zeigt das perfekte Zusammenspiel der beiden.

Bei dem Werk „La Ragazza“ des französischen Harfenisten Bernard Andèrs (geb. 1941) können die beiden Musikerinnen sich gleichzeitig noch als Schlagzeugerinnen betätigen. Das moderne Stück bringt zusätzliche Klangfarben auch der Saiten hervor. Natürlich darf bei einem Konzert mit keltischer Harfe nicht traditionelle Musik für dieses Instrument, wie etwa Greensleeves fehlen. Noch bei der Zugabe überraschen die beiden mit einem neuen Hörerlebnis: die Klankes kann auch wie eine Balalaika klingen. Eine zauberhafte Entdeckung einer wenig vertrauten Klangwelt!

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