Viele, viele Kartons beherbergten die Historie der Krefelder Bühne bisher – von nun an ist sie für alle einsehbar.

Viele, viele Kartons beherbergten die Historie der Krefelder Bühne bisher – von nun an ist sie für alle einsehbar.
Intendant Michael Grosse (l.) übergab den umfangreichen Bestand an Archivleiter Olaf Richter (r.).

Intendant Michael Grosse (l.) übergab den umfangreichen Bestand an Archivleiter Olaf Richter (r.).

Zum Bestand gehören auch historische Besetzungszettel für das Publikum. Auf dem Bild zu sehen ist, der Zettel für die Oper „Lohengrin“ die im Juni 1953 aufgeführt wurde.

Andreas Bischof, Bild 1 von 2

Intendant Michael Grosse (l.) übergab den umfangreichen Bestand an Archivleiter Olaf Richter (r.).

Krefeld. Das Theater Krefeld ist Teil der Stadtgeschichte. Intendant Michael Grosse hat nun alle vorhandenen Unterlagen zur Geschichte des Hauses an das Krefelder Stadtarchiv übergeben. Über ihn und seine Vorgänger, über die Schauspieler und Regisseure, über die Bühnen- und Kostümbildner ist nun alles verzeichnet.

Allerdings beginnen die Aufzeichnungen mit Kriegsende 1945, denn während des großen Angriffs 1943 verbrannte das Theatergebäude in der Rheinstraße mit allen Unterlagen. Aber, alles, was danach geschah, ist nun übersichtlich erfasst und allen Interessierten zugänglich.

„Jetzt finden wir Theaterleute die Unterlagen wahrscheinlich schneller.“

Michael Grosse, Intendant des Theaters Krefeld

„Wir sind unendlich dankbar, dass die Dokumentation des Bestandes nun vor hochprofessionellem Hintergrund geschehen ist“, sagte Grosse. „Jetzt finden wir Theaterleute die Unterlagen wahrscheinlich schneller.“

Über den Bestand freut sich Olaf Richter, Leiter des Stadtarchivs: „Es sind ungefähr 50 Meter Archivgut. Sie wurden in 3300 Verzeichnungseinheiten erfasst.“ Das Theater hatte diese Unterlagen in einem eigenen Raum aufbewahrt und in vielen, vielen Kartons übergeben. „Die Papiere sind abgeholt worden“, sagt Grosse. „Wir erhalten fast täglich Unterlagen“, sagt Olaf Richter, aber diesen Bestand wertet er als etwas Besonderes: „Das ist ein Baustein der Stadtgeschichte“.

Schon vor drei Jahren haben die beiden Männer das Gespräch aufgenommen; im Herbst 2015 kam das Konvolut im Archiv an. Als Beispiel präsentiert Richter die Mappe zu „Lohengrin“ aus dem Jahre 1952. Damals wurde das Theater mit der Wagner-Oper eröffnet. Intendant war zu jener Zeit Erich Schumacher. In den 70er Jahren wurde Lohengrin ein weiteres Mal aufgeführt – nun steht die Oper wieder auf dem Programm der städtischen Bühnen. Ein weiteres Fundstück ist eine Mappe mit Fotos der Aufführung von Schillers Drama „Maria Stuart“. Schöne Schwarz-Weiß-Fotos von historisierenden Kostümen: Dieser Bestand birgt Zeitzeugnisse. Dazu gehören auch zahlreiche Filmaufnahmen.

Das Stadtarchiv befindet sich am Konrad-Adenauer-Platz 17. Geöffnet hat es montags von 13 bis 16 Uhr, dienstags und mittwochs von 8.30 bis 16 Uhr, donnerstags von 8.30 bis 17 Uhr und freitags von 8.30 bis 13 Uhr.

Durch die 1950 geschlossene Theaterehe mit Mönchengladbach hätte der Bestand auch in Gladbach archiviert werden können. Allerdings deckt auch die fünf Jahre (1945–1950) davor ab. theater-kr-mg.de

Das Stadttheater macht von jeder Generalprobe einen Mitschnitt, und auch diese sind nun im Archiv gut aufgehoben. Die Übersicht, die das Archiv geschaffen hat, gliedert sich in 13 Hauptpunkte. Mit allen Unterpunkten ist das System in einem sogenannten Findbuch verzeichnet. Es sind zwei Bände geworden, die Intendant Grosse nun ins Theater mitnehmen kann. Mit dem „Ehepartner“ in Mönchengladbach hat man sich freundschaftlich geeinigt. „Wir haben uns mit den Kulturdezernenten und natürlich auch mit dem Archivar besprochen“, sagt Richter. „Seit 1950 besteht die Theaterehe mit Mönchengladbach“, erinnert Intendant Grosse.

Mit dem Erfassen des Theaterbestandes ist nun auch Forschung einfacher: 2025 wird das Theater das 75-jähriges Bestehen der „Theaterehe“ mit Mönchengladbach feiern. Eine Aufarbeitung dieser Geschichte ist nun einfacher.

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